Neuer Platzhirsch in gelb: der Container-Jugendclub

Das Blueberry Inn hat sich an seinem neuen Standort eingelebt und ist auch in puncto Sicherheit ein Gewinn für den Boddinspielplatz.

Quelle: Birgit Leiß

Quelle: Birgit Leiß

Quelle: Birgit Leiß

Quelle: Birgit Leiß

Quelle: Blueberry Inn

Samuel muss eine Weile überlegen, was ihm besser gefällt, das alte oder das neue Haus. „Hier ist alles neu und sauber, eigentlich ist es hier besser“, meint der 13-Jährige, während er zusammen mit zwei anderen Jungs ein Fußballspiel anschaut. Aber ihm fehlt das Internet. „Und ich vermisse den Krach, im alten Blueberry war immer viel los.“ In der Tat herrschte im alten Haus oft eine drangvolle Enge-  inklusive dem dazugehörigen Geräuschpegel. Das hat jedoch nichts mit dem neuen Standort zu tun, sondern mit den Corona-Regeln. Immer nur fünf Personen können sich in dem Raum maximal aufhalten. Die Kinder müssen sich einen Tag vorher anmelden und dürfen nur 1 Stunde bleiben. „Das ist natürlich das Gegenteil von einem offenen Kinder- und Jugendtreff“, sagt Jens Schielmann, langjähriger Leiter des Blueberry.  Aber er ist froh, dass sie - anders als beim ersten Lockdown - nicht schließen mussten. 

Kein Internet? Geht gar nicht!

Im Juli 2020 war Baubeginn für den Neubau des Blueberry in der Reuterstraße 10. Der Kinder- und Jugendtreff in Trägerschaft von Outreach musste daher ein Ausweichquartier beziehen. Nun ist die Einrichtung in einem eigens errichteten, gelben Container auf dem Boddinspielplatz untergebracht, oben auf dem Flachdach des Bunkers an der Mainzer Straße. Von hier oben kann man den ganzen Platz überblicken. „Die Location ist super“, findet Jens Schielmann. Einziges Manko: Ende November gibt es immer noch keinen Internet- und Telefonanschluss. Da die Jungen und Mädchen bei der Onlinerecherche nach Ausbildungsplätzen oder bei der Vorbereitung auf den Schulabschluss unterstützt werden, ist das ein Riesenproblem (das sich hoffentlich bald gelöst hat).

XXL-Brettspiele und Lümmelcouch

Und was machen die Kids sonst noch so? „Alles, was sich mit Abstand spielen lässt, erklärt Jens Schielmann. In weiser Voraussicht hat man bereits vor Corona ein XXL-Mensch ärgere dich nicht angeschafft. Außerdem stehen in dem großen Raum ein Kicker, Spielkonsolen, eine knallrote Couch, ein Fernseher, Computer und ein Carrom, das ist ein ziemlich angesagtes Brettspiel. Eine kleine Küche gibt es ebenfalls, aber wegen Corona darf derzeit nicht gekocht und gebacken werden. Im Sommer hat sich auch viel draußen abgespielt. Longboards, Inlineskater, Bälle und so weiter können ausgeliehen werden. Die Spiele und Sportgeräte werden gemeinsam mit dem Elterncafé genutzt, das immer Dienstags- und Samstagsvormittags geöffnet hat.  

Weniger Randale und weniger Drogen

Die Stammkinder des Blueberry sind mit an den neuen Standort gezogen. Dazu kam noch ein ganzer Schwung neuer Kinder, viele davon aus dem Rollbergviertel, erzählt Jens Schielmann. Die Befürchtung, dass es Reibereien oder Revierkämpfe geben könnte, hat sich nicht bestätigt. „Wir konnten auch schwierige Gruppen integrieren, das funktioniert alles ziemlich gut“, berichtet Jens Schielmann. Sein Eindruck: Auch der Drogenhandel- und konsum auf dem Boddinspielplatz haben etwas nachgelassen.  „Wir sind ja unter der Woche bis 20 Uhr da und sorgen für eine gewisse soziale Kontrolle“.

Die Kids wollen Farbe ins neue Blueberry bringen

Ein bisschen steril sei das Haus noch, findet der Outreach-Mitarbeiter. Die Jugendlichen haben vor, im nächsten Frühjahr die Wände bunt zu streichen und ihren Treff auch sonst ein wenig gemütlicher zu machen. Immerhin wird man mindestens drei Jahre im Container  verbringen. Ende 2023 soll der Neubau samt erneuerten Käpt‘n-Blaubär-Spielplatz fertig sein. Der Name Blueberry soll übrigens bleiben, auch wenn das neue Haus nicht mehr blau sondern gelb ist. „Die Kinder identifizieren sich damit“,  erklärt Jens Schielmann.

Geöffnet ist Montag bis Freitag 15-20 Uhr
Montags ist Mädchentag, der Freitag gehört den Jungs