Going underground

Der Quartiersrat ging in den Untergrund: Er besichtigte die früheren Lagerkeller der Kindl-Brauerei und informierte sich aus erster Hand über die Umbaupläne.

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Am 21. Mai versammelte sich vor dem Zuhause-Kiosk auf dem Kindl-Gelände eine große Schar Neugieriger. Der Quartiersrat des Flughafenkiezes ließ sich die Umbaupläne für das ehemalige Vollgutlager direkt vor Ort erläutern. Auch interessierte Anwohnende waren zur Besichtigung der größtenteils unterirdischen Hallen eingeladen.

Nachdem die Brauerei 2005 ihren Betrieb aufgegeben hatte, ist das Vollgutlager nun der letzte Baustein der Umgestaltung. Den östlichen Teil des alten Industriegeländes hat die Schweizer Stiftung Edith Maryon im Jahr 2016 gekauft, um eine gemeinwohlorientierte Entwicklung anzuschieben. Die Genossenschaft TRNSFRM hat in einer experimentellen Holz-Hybridbauweise das Haus „Alltag“ errichtet, in dem seit 2022 unter anderem das Gesundheitskollektiv mit seinem Stadtteil-Gesundheits-Zentrum ansässig ist. Auf der anderen Seite des Hofes hat die Genossenschaft die alte Fassladehalle mit recycelten und wiederverwendbaren Bauteilen zum „CRCLR-House“ umgebaut und aufgestockt.

Genossenschaft für das Gemeinwohl

"Für das Vollgutlager haben wir uns entschlossen, eine eigene Genossenschaft zu grünen", berichtete Frieda Grimm von der "Vollgut eG". Die seit drei jahren bestehende Genossenschaft hat schon 26 Mitglieder, die das Gebäude nach dem Umbau nutzen wollen: unter anderem eine Korea-Markthalle, eine Filmschule, eine Holzwerkstatt, eine Textildruckerei, ein Catering-Dienst, ein queeres Archivzentrum, eine Kletterhalle und eine Kita. Die Vereine Artistania und Zuhause sind bereits unter dem Vollgut-Dach aktiv. 

Das Gebäude ist allerdings eine Herausforderung. Unterhalb der früheren Fahrzeughalle, die heute die Kart-Bahn beherbergt, befinden sich vier weitgehend lichtlose Kellergeschosse mit 40.000 Quadratmetern Fläche. "Die Idee ist, möglichst viel zu lassen, wie es ist, und mit dem zu arbeiten, was da ist", erklärte Frieda Grimm beim Rundgang. So soll in der oberirdischen Halle das vorhandene Dach entfernt, die Pfeiler und Dachträger aber weitergenutzt werden.

Hinab in dunkle Tiefen

Eine Etage tiefer konnte man sich in den weiten, leeren Hallen eine Menge Nutzungen vorstellen, zumal es zur Rollbergstraße auch Fenster und eine Torzufahrt gibt. In den darunterliegenden Etagen braucht man schon mehr Fantasie. Über eine schmale Wendeltrepe ging es hinab auf die unterste Ebende, die sich auf dem Niveau der Neckarstraße befindet. Die Taschenlampe im Handy war hier untern sehr hilfreich. In den gemauerten Kellergewölben ist es nicht nur dunkel, sondern auch kühl und feucht. Für die Lagerung von Bier war das ideal, für neue Nutzungen ist das hingegen schwierig. In den Katakomben könnte man zwar viel Krach machen, ohne jemanden zu stören. Für Publikumsverkehr bräuchte man aber neue Zugänge und eine bessere Belüftung und Belichtung.

Puzzlespiel bis 2029

"Auf jeder Ebene sind die Räume anders", sagte Frieda Grimm. "Das ist wie ein Puzzle: Für wen könnten die Räume nutzbar sein?" Vollgut sucht noch einige Nutzer, die ins Konzept passen. Die Nettokaltmieten werden zwischen 6,50 Euro und 12 Euro pro Quadratmeter liegen. Der Vorteil in einer Genossenschaft: "Alle, die hier Miter:innen werden, sind gleichzeitig auch Eigentümer:innen", so Frieda Grimm. Die Vollgut eG will ihre Räume auch für nachbarschaftliche Aktivitäten zur Verfügung stellen. Der Hof wird zudem neu gestaltet und bleibt natürlich offen für alle.

Wieder oben angekommen mussten sich die Augen erst einmal ans helle Tageslicht gewöhnen. Die Teilnehmenden und das Quartiersmanagement bedankten sich für den beeindruckenden Einblick in die Industriegeschichte und den Ausblick in die Zukufnt des Kindl-Areals. 

"Dies ist einer der spannendesten Orte nicht nur in Neukölln, sondern auch in ganz Berlin", hatte Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann gesagt, als er im März die Baugenehmigung für den Umbau persönlich überreichte. Die ersten Arbeiten haben schon begonnen. Die Fertigstellung ist für 2029 geplant.