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Boddinplatz

Geschichte

Der Boddinplatz war im ursprünglichen Bebauungsplan die einzige öffentliche Freifläche weit und breit. Das zunächst schlicht „Platz VI a“ genannte Geviert an der Kreuzung von Boddin- und Mainzer Straße bekam 1903 offiziell den Namen „Boddinplatz“. Namensgeber ist Hermann Boddin (1844-1907), der von 1874 bis zu seinem Tod zunächst Gemeindevorsteher, dann Oberbürgermeister von Rixdorf war. In seiner Amtszeit wuchs das heutige Neukölln von einem kleinen Dorf zur Großstadt heran. Seine Verdienste wurden so hoch geschätzt, dass man schon zu seinen Lebzeiten einen Platz und eine Straße nach ihm benannte. Wie in der Kaiserzeit üblich, war auch der Boddinplatz als Schmuckplatz mit Rasenfläche, Blumenrabatten, Parkbänken und sauber abgezirkelten Wegen angelegt.

Ideensuche zur Umgestaltung

Grün- und Freiflächen sind im Flughafenkiez immer noch absolute Mangelware. Da es im dichtbebauten Nord-Neukölln kaum freien Platz gibt, um neue Grünflächen anzulegen, kann man nur die vorhandenen Anlagen, so gut es geht, verbessern.

Ende der 1990er Jahre wurde der Boddinplatz grundlegend erneuert und mit neuen Sitzbänken ausgestattet. Dies geschah als Ausgleichsmaßnahme für den 1997 fertiggestellten Bau des Einkaufs- und Bürocenters Kindl-Boulevard zwischen Mainzer und Hermannstraße. Nach wenigen Jahren machte der Boddinplatz aber wieder einen sehr abgenutzten Eindruck.

Dass eine Runderneuerung nötig wurde, war unübersehbar. Der Quartiersrat des Flughafenkiezes hat deshalb im Sommer 2009 beschlossen, 50.000 Euro aus dem Quartiersfonds für eine Umgestaltung des Boddinplatzes auszugeben. Bei der Planung wurden die Bürger*innen miteinbezogen. Schließlich soll der Platz so werden, wie die Anwohner*innen es sich wünschen. Und wenn die Bürger*innen den Boddinplatz als „ihren Platz“ begreifen, gehen sie auch pfleglicher mit ihm um.

Das Quartiersmanagement stellte sich zweimal mit einem Stand auf den Boddinplatz, um mit Anwohner*innen Ideen für den Platz zu sammeln. Die Kaffeetafel der Wohnanlage des Beamten-Wohnungsvereins verlegte dazu ihr Treffen nach draußen auf den Platz. Die rund 50 Teilnehmer*innen – Anwohner*innen, Kinder und Jugendliche vom benachbarten Spielplatz und deren Eltern – waren der Beweis, dass es doch viele Leute gibt, denen der Boddinplatz nicht egal ist. Sie trugen weit mehr Vorschläge zusammen, als auf dem Platz unterzubringen wären. Vieles wäre in dem bescheidenen Kostenrahmen auch nicht machbar gewesen.

Einige Anwohner*innen hätten gern mehr Sträucher, Hecken oder Bäume und Pflanzbeete für einen kleinen Bürgergarten, andere wünschten sich Bewegungsgeräte, eine Tischtennisplatte, Spieltische, einen Bouleplatz, Fahrradbügel, mehr Sitzbänke und Abfallkörbe sowie ein kleines Café oder einen Kiosk auf dem Platz. Vorgeschlagen wurde auch, den Platz besser zu beleuchten und zum Schutz gegen Hunde einzuzäunen sowie den Trampelpfad, der seit eh und je quer über den Rasen verläuft, zu pflastern. Vor allem die älteren Nachbar*innen bestanden außerdem darauf, dass die einige Jahre zuvor gefällte japanische Zierkirsche nachgepflanzt wird. Der Vorschlag, einen Grillplatz anzulegen, wurde wegen der Geruchs- und Lärmbelästigung der Anwohner*innen an Ort und Stelle verworfen. Ohnehin klagten viele Anwohner*innen schon über Lärmbelästigungen durch die Glascontainer und Gruppen von Trinkern – auch nachts. Mit dem Umzug des Neuköllner Jobcenters in den nahen Kindl-Boulevard kam Ende 2009 noch eine weitere Nutzer*innengruppe auf den Boddinplatz: Er dient vielen Jobcenter-Besucher*innen bei schönem Wetter als eine Art Außen-Wartezimmer.

Aufwertungsmaßnahmen

Aus den vielen Ideen der Anwohner*innen hat das Stadtplanungsamt anschließend das Machbare und Bezahlbare herausgefiltert. Wichtig war dabei eine pflegeleichte und robuste Gestaltung, die auch ohne ständige Wartung lange hält. Im Spätherbst 2010 begann die Umgestaltung.

An der vorderen Platzecke entstand neben dem Toilettenhäuschen ein kleines Open-Air-Fitness-Studio: Auf einer eingezäunten, mit Rindenmulch bedeckten Fläche wurden vier Sportgeräte aufgestellt. An der gegenüberliegenden Platzecke wartet ein Schachtisch auf Spieler*innen. Außerdem wurden die Rasenflächen mit einem niedrigen Zäunchen eingefasst und der Trampelpfad wie von den Anwohner*innen vorgeschlagen befestigt. Und nicht zuletzt kam dann auch die von den Nachbar*innen so vehement geforderte japanische Zierkirsche in die Mitte des Platzes. Im Sommer 2011 erstrahlte der Boddinplatz in neuem Glanz.

Weiterhin ist Bürgersinn gefordert

Ein ungelöstes Problem ist immer noch der Müll. Besonders neben den Altglascontainern an der Mainzer Straße stapeln sich immer wieder große Abfallmengen. Auch die wenigen Papierkörbe quellen oft über – was einige Zeitgenossen nicht davon abhält, ihren Müll auch noch daneben abzulegen. Das Naturschutz- und Grünflächenamt Neukölln hat sehr wenig Personal und kann die Abfallkörbe nicht so oft leeren, wie es notwendig wäre – und erst recht kann es nicht regelmäßig Sperrmüll und Elektroschrott entsorgen. Deshalb brauche man „Bürger, die bereit sind, sich selbst für den Platz einzusetzen“, so Stadtplanungsamtsmitarbeiter Andreas Wiesner, der die Umgestaltung begleitet hat. Es gab die Idee, einen Nachbarschaftsverein zu gründen, der sich um den Platz kümmert und zum Beispiel auch Kulturveranstaltungen organisiert. Doch dafür fanden sich bisher nicht genügend Engagierte.

Kieztrödelmarkt auf dem Boddinplatz

Auf Initiative von Anwohnerinnen fand am 12. Oktober 2014 der erste Trödelmarkt am Boddinplatz statt, der bei seiner Premiere gut 1.500 Besucher*innen zählen konnte. Angeboten werden Bücher, Kinderspielzeug, Kleidung und allerlei Krimskrams. An Essenständen können sich die Besucher*innen zudem mit arabischen und türkischen Spezialitäten sowie Kaffee und Kuchen stärken. Das Besondere des Kiezflohmarkts ist die gemütliche, fast schon familiäre Atmosphäre: Hier verkaufen keine professionellen Händler*innen, sondern Student*innen-WGs oder Familien, die ihre Keller leer geräumt haben. Dabei geht es nicht nur ums Kaufen und Verkaufen, sondern auch um das Kennenlernen der Nachbar*innen. Bis 2018 ist die zwei Mal jährlich stattfinde Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Stadtteilgrün, öffentlicher Raum und Umweltbildung im Flughafenkiez“ gesichert.