• Foto: Sabine Münch

Albert-Schweitzer-Gymnasium

Vom Dornröschenschlaf zum Erfolgsmodell

Die Albert-Schweitzer-Schule (kurz: ASS) hat in ihrer über 100-jährigen Geschichte einen rasanten Wandel vollzogen. 1907 als Höhere Mädchenschule der Stadt Rixdorf gegründet, genoss man bis in die 1980er Jahre einen guten Ruf.

Mit dem Wegzug der Mittelschicht aus Neukölln begann dann der Niedergang. Wegen sinken- der Schülerzahlen stand die sogenannte Problemschule 2004 sogar kurz vor der Schließung.

„Diese Schule war eigentlich fast schon so tot wie der Friedhof von Chicago“, erinnert sich Neuköllns langjähriger Bürgermeister Heinz Buschkowsky. Doch Bezirk, Quartiersmanagement und die neue, engagierte Schulleitung konnten das Ruder herumreißen. Mittlerweile gehört die ASS zu den beliebtesten Gymnasien Berlins.

„Wir sind innerhalb weniger Jahre von Null auf Hundert geschossen“, freut sich Lothar Görres, damals Mitglied im Schulförderverein.

Ganztägig lernen bringt den Erfolg
 
Der Umschwung begann 2006 mit 
der Einführung des Ganztagsbetriebs, zunächst als Modellversuch, 
finanziert aus dem Programm Soziale Stadt. Damit war man das erste Gymnasium mit gebundenem Ganz- tagsbetrieb in Berlin. „Je länger die Schüler mit der deutschen Sprache befasst sind, desto besser ist das für ihr schulisches Vorankommen“, erklärt Schulleiter Georg Krapp den Ansatz. Ganztagsbetrieb bedeutet nicht, dass die Jungen und Mädchen von 8 bis 16 Uhr Vokabeln büffeln oder Hausaufgaben machen. Neben individuellem Coaching bleibt genügend Zeit, um zu toben, Musik zu machen, gemeinsam Mittag zu essen oder Sport zu treiben. Schon bald stellten sich beachtliche Erfolge ein: immer mehr Schüler bestanden das Probehalbjahr und schafften das Abitur.

Die Zahl der Anmeldungen übersteigt mittlerweile die vorhandenen Plätze. Viele Eltern melden ihre Kinder gezielt wegen des Ganztags- betriebs an. 
Dabei hat sich eines ganz klar gezeigt: Schule braucht Partner im Stadtteil. So wurden die Schülerinnen und Schüler in der Anfangszeit von Honorarkräften des Türkisch-Deutschen Zentrums gecoacht.  
Um den Horizont der Schülerschaft zu erweitern, gibt es zudem Kooperationen mit Museen, Theatern und anderen kulturellen Einrichtungen. „Das schafft Erlebnisse, die die Schüler auch in den Freundeskreis und die Familie hineintragen“, erklärt der Schulleiter. 
Der Modellversuch war so erfolgreich, dass der Senat den Ganztagsbetrieb inzwischen regelfinanziert. Inzwischen gibt es in jedem Bezirk mindestens ein Ganztagsgymnasium.

Erweiterung und Umbau
 
Um die Schule an die Anforderungen eines Ganztagsbetriebs anzupassen, war eine Reihe von baulichen Veränderungen notwendig. Das Hauptgebäude wurde komplett saniert und 2010 wurde die ehemalige Turnhalle zu einer Mensa umgebaut. 2011 wurde die Aula komplett renoviert. Auf der Bühne können nun Lesungen, Musik- und Theateraufführungen oder andere Veranstaltungen stattfinden. 2012 entstanden  im angrenzenden Wohnhaus dringend benötigte, zusätzliche Räume für die Verwaltung, so dass im Hauptgebäude zusätzliche Klassenräume gewonnen werden konnten 2014 schließlich wurde die einstige Hausmeisterwohnung zu einer Arbeits- und Chill-Out-Zone für Schüler der Oberstufe umgestaltet. Die Schüler können hier ihre Freistunden verbringen, sich auf den Unterricht vorbereiten oder entspan- nen Bei der Einrichtung der neuen Räume haben sie mitgeholfen. 
Als letzter Baustein der baulichen Erneuerung werden im Jahr 2016 im im Rahmen der Sanierung des Annexgebäudes Lerninseln auf den Fluren angelegt, um den knappen Platz für Lehren und Lernen bestmöglich zu nutzen. Finanziert wurden all diese Maßnahmen unter anderem aus Mitteln des Programms Soziale Stadt.

Umgestaltung der Pausenhöfe

Auch die Pausenhöfe mussten fit gemacht werden für die neue Zeit. 
Im Schulhof  hinter dem Hauptgebäude entstanden Sitzgele- genheiten, ein kleiner Bolzplatz und – als besonderes Highlight – eine Tribüne, die für Open-Air-Theater- aufführungen oder andere Auftritte genutzt werden kann. Der halböffent- liche Platz zur Straße hin, der früher von Autos zugeparkt war, präsentiert sich heute freundlicher. Eine Schüler-AG mit tatkräftiger Unterstützung des Hausmeisters bepflanzte Beete und gestaltete den  „Friedensturm“ 
neu Auf ihre Anregung hin wurde 
zudem ein kleiner Unterstand gebaut. 
Die Umgestaltung des Albert-Schweitzer-Platzes wurde im Herbst 2015 mit der künstlerischen Gestaltung des Trafohäuschens abgeschlossen.