Kindl-Gelände wird „VOLLGUT“

 

Nach der Eröffnung der Treppenanlage an der Ecke Neckar-/Isarstraße grenzt das Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei nicht mehr nur an den Flughafenkiez, sondern ist auch direkt zu erreichen. Doch was passiert „dort oben“? Der Quartiersrat hat sich am 22. November 2017 von Maya Rosenkranz, Co-Geschäftsführerin der VOLLGUT UG, über die Entwicklungen auf dem ehemaligen Kindl-Areal informieren lassen.

„Das erste, was wir machen mussten, ist, dem Kindl-Areal einen neuen Namen zu geben“, sagt Maya Rosenkranz. Man entschied sich für „VOLLGUT“, denn das frühere Bier-Vollgutlager ist der Kern des Vorhabens. Die VOLLGUT UG (www.vollgut.berlin) wurde von der Schweizer Stiftung Edith Maryon als eines ihrer Tochterunternehmen gegründet. Sie hat das Areal gekauft und übergibt einzelne Flächen über Erbbaurechte an unterschiedliche Nutzer*innen. So werden die Grundstücke und Immobilien der Spekulation entzogen. Die Stiftung hat es daher mit der Entwicklung des Geländes auch nicht eilig: „Wir reden über zehn Jahre“, so Rosenkranz.

Drei Projekte sind schon konkret in der Planung. Eine Werkhalle an der Rollbergstraße wird für die Initiative Agora Collective (www.agoracollective.org) umgebaut. Sie will Müll als vielfältige Ressource nutzen. Das geplante Innovationslabor umfasst offene Werkstätten für Holz, Metall und Textilien, Ateliers und Eventflächen. Später könnten auch Wohnungen hinzukommen.

Direkt neben der Treppe wird ab Mitte 2017 ein Neubauprojekt namens „ALLTAG“ entstehen – eine Herberge für  Wohnen auf Zeit. Das Projekt richtet sich an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen eine vorübergehende Unterkunft suchen, zum Beispiel Menschen in einer Rehabilitationsphase, Gastprofessor*innen, vor Gewalt geflüchtete Mädchen und Frauen, von homophoben Übergriffen betroffene Flüchtlinge aus Wohnheimen oder auch Touris­t*innen. Dazu gibt es im Haus soziale Dienstleistungen, kulturelle und gewerbliche Nutzungen sowie eine Pension und Gastronomieangebote. Das fünfgeschossige Gebäude wird in Holzbauweise errichtet und soll Ende 2018 fertig gestellt werden.

Das dritte Vorhaben ist der Platz zwischen den Gebäuden, der so geplant ist, dass er belebt wird und nicht nur ein Durchgangsweg bleibt. „Der Platz wird gemeinsam mit den Nutzern entworfen“, kündigt Maya Rosenkranz an.

Die schwierigere und weit größere Aufgabe ist die Nutzung des eigentlichen Vollgutlagers. Was vom Kindl-Gelände aus nur wie eine flache Halle mit einer Kart-Bahn aussieht, hat in Wirklichkeit noch vier riesige, größtenteils unbelichtete Untergeschosse, die zur kühlen Lagerung des Bieres in den Hang der Rollberge gegraben wurden. Die hohe, fensterlose Wand an der tiefergelegenen Neckarstraße lässt erahnen, was für eine Baumasse sich dahinter befindet. Von den 30.000 Quadratmetern werden 23.000 Quadratmeter als Lager, Clubräume und Ateliers genutzt. Für die übrigen Flächen werden Nutzungen gesucht. Das Fundament erlaubt es sogar, das Gebäude noch aufzustocken. „Wir brauchen Ideen“, sagt Maya Rosenkranz. Nutzungsinteressent*innen können sich per E-Mail an VOLLGUT wenden: teamvollgut.berlin.