Baumscheiben - das grüne Paradies vor der eigenen Haustür

Foto: Birgit Leiß

Tatkräftige Unterstützung für Baumscheibengärtner*innen

Kaum grünt und sprießt es überall, juckt es die Großstädter*innen in den Fingern: man könnte doch die Baumscheibe vor  der Haustür begrünen, vielleicht sogar Weintrauben und Gurken anbauen. Das sieht nicht nur schön aus, sondern senkt auch die Feinstaubbelastung. Entsprechend groß war das Interesse an der Info-Veranstaltung, zu der das Quartiersmanagement am 4. April 2017 ins Quartiersbüro geladen hatte. Etwa 15 Bewohner*innen waren gekommen. Einige träumen von einer künstlerisch-gestalteten Poesie-Ecke, andere wollen aus ganz Neukölln ein grünes Paradies machen. Doch was muss man bei der Begrünung der Baumscheiben beachten? Wie baut man eine Umrandung? Welche Pflanzen eignen sich? Und darf man einfach loslegen oder muss man das Vorhaben beim Bezirksamt anmelden?

Auf all diese Fragen hatte Dr. Christian Hoffmann vom Multikulturellen Nachbarschaftsgarten kompetente Antworten. Er hat nicht nur seit 15 Jahren selber Erfahrung mit Baumscheibenbegrünungen, sondern ist auch Träger des Projekts „Stadtteilgrün, öffentlicher Raum und Umweltbildung im Flughafenkiez“. Noch bis Ende 2018 wird es aus dem Projektefonds des Quartiersmanagements Flughafenstraße finanziert. Ein Teilmodul ist dabei die Baumscheibenbegrünung.

Wichtig ist, bestimmte Regularien zu beachten. Die Vorgaben sind auch im Flyer des Bezirksamts Neukölln nachzulesen.

 Die wichtigsten Regeln in Kürze:

  • den Boden vorsichtig lockern und nicht zu tief bohren, um die Wurzeln nicht zu beschädigen
  • das Oberflächenniveau darf nicht verändert werden, das heißt, die Baumscheibe darf nicht großzügig mit Erde aufgefüllt werden
  • nur niedrig wachsende Pflanzen (max. 50 cm) einsetzen
  • keine Kletterpflanzen wie Efeu, denn diese machen den Baum kaputt
  • keine stacheligen Pflanzen wie Himbeeren oder Rosen, da so die Baumpflege erschwert wird
  • neu angepflanzte Bäume müssen zwei Jahre lang in Ruhe wachsen können, bevor die Baumscheibe mit anderen Pflanzen begrünt werden darf
  • Umzäunungen sind erlaubt, allerdings dürfen die Einfassungen maximal 50 cm hoch sein und der Abstand zwischen der Außenkante der Umrandung und der straßenseitigen Bordsteinkante muss mindestens 50 cm betragen. Die Umzäunung muss außerdem zur Straße hin offen sein. Bänke oder andere Sitzgelegenheiten sind nicht zulässig

 

Bei Verstößen versteht das Amt keinen Spaß. Zweimal im Jahr machen die Baumkontrolleure vom Natur- und Grünflächenamt einen Rundgang. Finden sie illegale Bauten und Anpflanzungen, verlangen sie die Beräumung. Ansonsten gilt: Ran an die Bauscheiben! Eine vorherige Anmeldung beim Bezirksamt Neukölln ist nicht notwendig.

Ein leidiges Thema ist der Vandalismus. Der Frust ist groß, wenn immer wieder Blumen geklaut oder Müll in das liebevoll gehegte Gärtchen geworfen wird. Die Erfahrung zeigt leider: je bunter und schöner es blüht, desto eher werden die Pflanzen gestohlen. „Ich empfehle daher nicht so attraktive, ungewöhnliche Pflanzen zu nehmen“, so Dr. Hoffmann. Eine Einfassung mache auf jeden Fall Sinn. Sie hilft ein Stück weit gegen Müll und Hundekot. Ganz vermeiden kann man das aber nicht: „Man muss auf jeden Fall einen langen Atem haben“, so Hoffmann. Muss die Baumscheibe erstmal von Schrankteilen oder anderem Sperrmüll befreit werden, kann man sich dafür direkt ans Ordnungsamt wenden. Das geht ganz einfach und bequem über denÖffnet externen Link in neuem Fenster Online-Meldeservice des Ordnungsamtes.

Bei allen Fragen rund um die Baumscheibenbegrünung, können sich Bewohner*innen, Gewerbetreibende und Initiativen aus dem Kiez kostenlos von Dr. Hoffmann Umweltconsulting beraten lassen. Wer Spaten und Harke braucht, kann sich die Gartengeräte unentgeltlich ausleihen. Im Rahmen des Projekts wurden vier Werkzeugboxen angeschafft. Eine steht in der Seminaretage im Umweltconsulting-Büro, die andere im Quartiersbüro. Für zwei Boxen werden derzeit noch Verleihstationen gesucht.

 

Hoffmann Umweltconsulting
Neckarstraße 5
Tel. (030) 68 08 86 22
E-Mail christian.hoffmannumweltconsulting.biz