Auf dem Weg zum Bildungsquartier

Foto: Jens Sethmann
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Die Zusammenarbeit der vielen Bildungseinrichtungen im Flughafenkiez soll verbessert werden. Nachdem das Bildungsnetzwerk ein Jahr lang von Mitarbeitern des vhw analysiert und beraten wurde, wurden im Rahmen eines Abschluss-Workshops neue Ideen und Projekte diskutiert und weiterentwickelt.

Im Mai 2016 begann das Projekt Bildungsquartier Flughafenstraße, mit dem das Bildungsnetzwerk des Flughafenkiezes gestärkt werden sollte. Der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung vhw hat im Auftrag des Quartiersmanagements Flughafenstraße den im Jahr 2007 gegründeten Bildungsverbund unter die Lupe genommen. „Ziel ist es, das Bildungsnetzwerk fitter zu machen“, erklärt Sebastian Beck vom vhw. Die vhw-Forscher haben mit allen Schulen und Kitas, mit dem Blueberry Inn, den Stadtteilmüttern, der Helene-Nathan-Bibliothek, der Volkshochschule und der Musikschule gesprochen, um herauszufinden, wie das Zusammenwirken von Kindern, Jugendlichen, Eltern, Bildungsakteuren und der Zivilgesellschaft klappt und was verbessert werden muss, damit der Flughafenkiez wirklich ein Bildungsquartier für alle wird.

Dass man mit den Mitteln des Programms Soziale Stadt eine Menge für die Bildung bewirken kann, zeigt das Albert-Schweitzer-Gymnasium: Der Ganztagsbetrieb, der hier im Jahr 2006 zunächst mit Hilfe des Quartiersmanagements eingeführt wurde, ermöglichte es der Schule, sich zu einem von Nord-Neuköllns gefragtesten Gymnasien zu entwickeln.

Zum Abschluss des Projekts luden der vhw und das Quartiersmanagement am 30. Juni alle Beteiligten ins HAUS der BILDUNG ein, um über das Ergebnis zu sprechen und neue Perspektiven für das Bildungsnetzwerk zu entwickeln. „Für uns ist das Projekt beendet“, sagt Steffen Jähn vom vhw. „Jetzt sind Sie gefragt.“ Die 45 Teilnehmer*innen, darunter auch Schüler eines Geografie-Leistungskurses am Albert-Schweitzer-Gymnasium, verteilten sich nach der anfänglichen Präsentationen auf drei Workshop-Gruppen.

Räume besser nutzen

Im ersten Workshop ging es darum, wie Schulräume und -höfe besser gemeinsam genutzt werden können. Die Öffnung der Schulhöfe scheitert oft an Haftungsfragen und die Nutzung von Schulräumen außerhalb der Unterrichtszeiten lässt sich häufig nicht mit den Arbeitszeiten der Hausmeister*innen vereinbaren, die das Gebäude öffnen und wieder abschließen müssen. Ein geglücktes Beispiel für die Mehrfachnutzung ist hingegen der Indoor-Spielplatz, der im Winterhalbjahr einmal wöchentlich in der alten Turnhalle der Hermann-Boddin-Schule stattfindet. Das ist hier möglich, weil die Turnhalle einen Eingang direkt von der Straße hat und niemand über das Schulgelände laufen muss. Aus diesem Grund gibt es auch Pläne, die Halle so umzubauen, dass sie auch für andere außerschulische Aktivitäten genutzt werden kann. Am Rande konnte Sportlehrer Jürgen Völker der Kita Forum-Soziale-Dienste in der Reuterstraße noch anbieten, mit einer Kitagruppe die Turnhalle der Hermann-Boddin-Schule zu  nutzen.

Übergänge erleichtern

Der zweite Workshop stellte sich die Frage, wie den Grundschüler*innen der Übergang in die weiterführenden Schulen erleichtert werden kann. Karin Kullick, Leiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, befragte Schüler*innen und Eltern zu ihren Erfahrungen. Trotz Angeboten wie den Tagen der offenen Tür, Oberschuldetektiven und Schnupperkursen für Sechstklässler*innen trauen sich viele von ihnen nicht, bei Fragen die „Großen“ anzusprechen. „Wir sollten Begegnungen mit den älteren Schülern forcieren“, folgert Karin Kullick, „zum Beispiel indem die älteren Schüler die Schnupperkurse durchführen.

Bildungsfest oder Bildungsmesse?

Die dritte Arbeitsgruppe sprach über das Vorhaben, im Flughafenkiez ein Bildungsfest zu feiern. „Das muss mehr ein Fest sein als eine Bildungsmesse“, fasst Michael Thoma vom Neuköllner Jugendamt die Diskussion zusammen. So könnten auch die Eltern besser einbezogen werden. Die Runde hatte noch eine interessante Idee: „Man könnte alle Schulfeste in einer Woche der Bildung bündeln“, so Thoma. „Am besten im nächsten Jahr zum Jubiläum 111 Jahre Boddinschule.“ Dafür bräuchte man allerdings einen Koordinator.

Das Bildungsfest und der Umbau der Turnhalle stehen schon auf dem Programm des Quartiersmanagements. Im neu aufgestellten Integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzept (IHEK) gehören sie zu den vorrangigen Zielen. Quartiersmanager Thomas Helfen ruft dazu auf, sich weiter im Bildungsnetzwerk zu engagieren: „Die Projekte funktionieren nur, wenn möglichst viele mitmachen.“