Europa vor der Haustür

Foto: Evangelische Schule Neukölln
Foto: Evangelische Schule Neukölln
Foto: Evangelische Schule Neukölln

Beim Thema Europäische Union fällt vielen als erstes die Gurkenverordnung und ähnliche Bürokratie-Monster ein. Die Lehrkräfte der Evangelischen Schule Neukölln dagegen verbinden damit vor allem den wertvollen Austausch mit Kolleg*innen aus ganz Europa.

Seit 2014 nimmt die Schule aus der Mainzer Straße am Erasmus+ Mobilitätsprojekt teil, einem EU-Programm zur Fort- und Weiterbildung. Schon mehrmals waren Lehrerinnen in Spanien oder England, um dort beispielsweise bei Englischer Konversation ihre Sprachkenntnisse aufzufrischen oder Kurse in Theaterpädagogik zu belegen. Mit den Kolleg*innen aus Polen, Italien, Frankreich und Belgien ergab sich jedes Mal ein intensiver Erfahrungsaustausch. Schließlich geht es darum, voneinander zu lernen. „Natürlich gibt es auch große Unterschiede“, sagt Jutta Speer, Verwaltungsleiterin an der Evangelischen Schule Neukölln, die den Austausch  organisiert. In Polen beispielsweise gehe es im Unterricht sehr viel strenger zu. Aber auch die Auseinandersetzung mit diesen Unterschieden sei hilfreich. Aber Themen, wie der Umgang mit aggressiven Schüler*innen spielen überall eine Rolle.  

So hat die Lehrerin Anke Travers in diesem Sommer zwei Wochen in Dublin verbracht und sich dort mit dem berühmten „Theater der Unterdrückten“ des Brasilianers Augusto Boal beschäftigt. Die Grundidee dieses Theatermachers: jeder Mensch kann seine Lebenssituation verbessern, indem er etwas in seinem Leben ändert. Die erlernte Methode des Forum-Theaters hat Anke Travers und ihre Kollegin Anna van der Linden so begeistert, dass sie sie in den Unterricht integrierten – schließlich sollen auch die Schüler*innen von der Fortbildung ihrer Lehrerinnen profitieren. Motiviert durch die Erfahrungen mit dem Erasmus-Workshop wurden kürzlich in einer Projektwoche der Klasse 5b kleine, improvisierte Theaterstücke erarbeitet, bei denen es vor allem um die Erfahrungen mit Ungerechtigkeiten und Diskriminierung geht. „Ziel ist es, diese Arbeit im Lauf der nächsten Schuljahre auszubauen“, erklären Anna van der Linden und Anke Travers. Die Schüler*innen sollen in die Lage versetzt werden, sich in schwierigen Situationen nicht hilflos zu fühlen.

„Das Erasmus-Programm lebt davon, dass es weitergetragen wird, in die Schulen, aber auch in den Stadtteil“, betont Jutta Speer. Bildungsbenachteiligung, der Umgang mit Konflikten  - all dies sind schließlich Themen, die den ganzen Stadtteil angehen. „Für uns als Schule ist der Europäische Gedanke ganz wichtig“, erklärt Speer. Für Anfang 2018 ist ein Thementag Europa geplant. Jede Klasse soll sich etwas zum Thema Europa einfallen lassen. 

Infos zum Programm
www.erasmusplus.de