Neue Quärtiersrät*innen und Informationen zum Thema Drogenkonsum aus erster Hand

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Der Quartiersrat des Flughafenkiezes hat Verstärkung bekommen. Fünf Bewohner*innen sind im November neu in das Kiezgremium gewählt worden. Die Nachbesetzung des Quartiersrats war jedoch nur einer von zwei wichtigen Tagesordnungspunkten der Sitzung am 28. November. Bevor die neuen Quartiersrät*innen gelost wurden, berichteten drei Mitarbeiter*innen von Fixpunkt e.V., dem Träger der bezirklichen Drogensozialarbeit, über ihre Arbeit und beantworteten Fragen der Anwesenden.

Unter den Bewohnervertreter*innen waren in den vergangenen Monaten drei Sitze freigeworden, denn im Laufe der Zeit zieht immer mal wieder eine bzw. einer der Quartiersrät*innen aus dem Flughafenkiez fort oder muss aus beruflichen oder anderen Gründen die Mitarbeit beenden. Um die Reihen wieder aufzufüllen, hat das Quartiersmanagement in den letzten Wochen um neue Mitglieder für das Gremium geworben. Fünf Bewohner*innen haben sich bereit erklärt, künftig im Quartiersrat mitzuwirken. Nachdem sich Angela Schrauber, Yousra Al-Haj, Hanna Martus, Erma Borisova und Tim Ladiges in der Runde kurz vorgestellt haben, wurden die Plätze per Losverfahren vergeben. In den Quartiersrat wurden Angela Schrauber, Hanna Martus und Erma Borisova gelost. Damit sind die 18 Sitze wieder besetzt – genau wie die Bevölkerung des Flughafenkiezes zur Hälfte mit Menschen mit Migrationshintergrund. Yousra Al-Haj und Tim Ladiges gehören nun als Nachrücker*innen zum Quartiersrat, das heißt, sie sind dann stimmberechtigt, wenn bei einer Quartiersratssitzung nicht alle regulären Bewohnervertreter*innen anwesend sind. Insgesamt besteht der Quartiersrat aus 28 Mitgliedern. Die übrigen zehn Sitze werden von Vertreter*innen von Schulen, Kitas, Initiativen und Gewerbetreibenden eingenommen.

Straßensozialarbeiter*innen stellen sich vor

Vor der Nachbesetzung des Kiezgremiums berichteten drei Mitarbeiter*innen von Fixpunkt e.V. aus erster Hand von ihrer Sozialarbeit mit Drogenkonsumenten auf den Straßen Neuköllns. Seit April finanziert das Bezirksamt Neukölln das Projekt Straßensozialarbeit, bei dem Fixpunkt-Mitarbeiterin Anne-Katrin Riebe Treffpunkte von Drogenkonsument*innen aufsucht, um Kontakt herzustellen, saubere Konsumutensilien zu verteilen und zu versuchen, die Betroffenen an das weiterführende Hilfesystem anzubinden. Auch die Information von Anwohner*innen und Gewerbetreibenden, wie sie mit Drogenkosument*innen im öffentlichen Raum umgehen sollten, zählt zu ihren Aufgabenbereichen. Frau Riebe wird von Herrn Wadim Hermann, einem russisch-polnischen Sprachmittler begleitet. Er berichtet, dass viele der Menschen aus Osteuropa kein Vertrauen zum deutschen Hilfesystem haben und deshalb eine Anbindung daran besonders schwierig ist.

Da es nur eine bezirklich finanzierte Stelle für ganz Neukölln gibt, versuchen Frau Riebe und Herr Hermann primär die bekannten Brennpunkte aufzusuchen Seitdem die Polizei sich jedoch häufiger auf zentralen Plätzen blicken lässt, hat sich die Szene verteilt. „Viel läuft jetzt in den Seitenstraßen“, sagt Anne-Katrin Riebe. Das ist auch im Flughafenkiez seit einigen Jahren spürbar: Statt auf dem Hermannplatz sind die Drogen-User nun häufiger am Sasarsteig, auf dem Boddinplatz, an der Kindl-Treppe oder auch in manchen Hausfluren anzutreffen. Liegengelassene Spritzen sind immer wieder zu sehen. Wenn Anne-Katrin Riebe Drogenkonsument*innen auf einem Spielplatz oder in einem Hausflur antrifft, macht sie ihnen klar, dass dies kein guter Ort ist. „Wir sagen den Leuten auch, dass sie ihr Zeug wieder mitnehmen sollen“, ergänzt Fixpunkt-Kollege Malte Dau.

Drogenkonsummobil und -beratung in Neukölln

Herr Malte Dau ist seit 2009 in der Kontaktstelle „Druckausgleich“ in der Warthestraße 5 tätig. Hier werden 30 bis 50 Personen täglich beraten, wobei auch hier ca. ein Drittel der Besucher*innen aus Osteuropa kommt. Dies ist vor allem deshalb problematisch, weil viele Drogenkonsument*innen mit osteuropäischem Hintergrund keine Wohnung und Versicherung und somit auch keinen Zugang zu hygienischer und basismedizinischer Versorgung haben. In der Kontaktstellte können sich die Menschen aufhalten und Sozialstunden ableisten, sie bekommen eine warme Mahlzeit und können Wäsche waschen oder die Kleiderkammer nutzen. Die Mitarbeiter*innen beraten beispielsweise zu gesundheitlichen Fragen und vermitteln bei Bedarf weiterführende Hilfen. Seit Juni 2017 hält außerdem von Montag bis Mittwoch jeweils von 13.00 bis 17.00 Uhr das Drogenkonsummobil an der Ecke Karl-Marx-Straße/ Kirchhofstraße. Darüber hinaus gibt es in ganz Neukölln mittlerweile 10 Entsorgungsbehältnisse für benutzte Drogenkonsumutensilien, eines davon befindet sich am Boddinplatz. Fixpunkt verteilt auch kleine Boxen zum Mitnehmen für Konsument*innen, um die Entsorgung zu erleichtern und den öffentlichen Raum dadurch zu entlasten.

Das Projekt ist den Bewohner*innen des Flughafenkiezes so wichtig, dass sie die eingenommenen Standgebühren des Herbst-Trödelmarktes auf dem Boddinplatz in Höhe von 550 Euro an Fixpunkt gespendet haben.