Erfahrungsaustausch mit Manchester

Foto: Jens Sethmann
Foto: Quartiersmanagement Flughafenstraße
Foto: Quartiersmanagement Flughafenstraße

Wie Quartiersarbeit im englischen Manchester funktioniert, konnten die Quartiersratsmitglieder am 20. März aus erster Hand erfahren. Zuvor informierte sich das Kiezgremium über die Umbaupläne der Helene-Nathan-Bibliothek.

Der Quartiersrat des Flughafenkiezes hielt seine März-Sitzung in der Helene-Nathan-Bibliothek ab. Die Quartiersrät*innen sahen sich die Situation in der Bezirkszentralbibliothek vor Ort an und ließen sich die geplanten Umbaumaßnahmen von der Bibliotheksleitung erklären.

Riesenandrang in der Bibliothek

Die Bibliothek ist längst nicht mehr nur ein Ort zum Bücherausleihen, sondern eine vielseitige Bildungseinrichtung. Schüler*innen kommen für die Gruppenarbeit hierher, machen hier ihre Hausaufgaben oder lernen für Prüfungen. Am Tag vor der Matheprüfung für den Mittleren Schulabschluss ist der Andrang im Lernzentrum am größten. „Der Bedarf ist riesig“, sagt Monika Koch, Leiterin der Kinder- und Jugendabteilung. „Wir könnten auch das ganze Parkdeck nutzen.“

Voraussichtlich in den Sommerferien soll auf der oberen Ebene vor der Fensterfront eine gemütliche Leselounge eingerichtet werden. Die Besucher*innen können hier auf bequemen Sesseln Platz nehmen und dürfen sich auch miteinander unterhalten. Die rund 40 Arbeitsplätze, die jetzt dort stehen, wandern in die Mitte des Raumes. Auch die Zeitschriftenecke und einige Regale verlassen ihren gewohnten Ort. Die Einrichtung der Leselounge wird aus dem Programm Soziale Stadt gefördert.

Bericht aus dem altersfreundlichen Manchester

Der Quartiersrat bekam auch einen interessanten Einblick in die Quartiersarbeit in der englischen Industriestadt Manchester. Horst Bockholt, früher Quartiersrat im Flughafenkiez, lebt seit längerer Zeit etwa zur Hälfte des Jahres in Manchester und engagiert sich dort im Stadtteil Moston. Er hat eine Delegation aus Manchester zum Erfahrungsaustausch nach Neukölln eingeladen.

Die Quartiersarbeit bemüht sich dort vor allem darum, die Lebensverhältnisse älterer Leute zu verbessern. Unter den 540.000 Einwohner*innen der Stadt wird sich der Anteil der Menschen, die über 50 Jahre alt sind, in den nächsten 20 Jahren um 200.000 erhöhen. „Manchester hat den Anspruch, eine altersfreundliche Stadt zu sein“, berichtet Mark Hammond von der Manchester School of Architecture. Er ist Leiter des Projekts „Age Friendly Neighbourhoods“ (altersfreundliche Nachbarschaften), das sich in vier Stadtteilen um die Umsetzung der Strategie kümmert.

Mit den Bewohner*innen das Stadtviertel verbessern

Das Verfahren baut ähnlich wie das Berliner Quartiersmanagement auf dem Wissen und dem Engagement der Bewohner*innen auf. Es gibt ein bewohner*innengeführtes Gremium, das sich alle sechs Wochen trifft. Zusammen mit Behörden, Schulen, Wohlfahrtsorganisationen, Gesundheitseinrichtungen, Verkehrsbetrieben und Wohnungsbaugesellschaften werden hier die anstehenden Probleme besprochen und gemeinsam Lösungen entwickelt.

Für einzelne Projekte können bis zu 2000 Pfund (rund 2.300 Euro) abgerufen werden. Das Programm wird nur mit Geldern der öffentlichen Lotterie bestritten. Dennoch konnten schon 75 Projekte durchgeführt werden, zum Beispiel ein Computerkurs für ältere Migrant*innen, eine Küche in einem kommunalen Zentrum, ein Filmklub oder ein Minibus-Fahrdienst. Das übergeordnete Ziel in Manchester und Berlin ist gleich: „Wir wollen beide, dass es sich in unseren Stadtteilen besser leben lässt“, so Mark Hammond.

Nach der Quartiersratssitzung setzte die britische Delegation den Gedankenaustausch mit einigen interessierten Neuköllner*innen in einer Gaststätte fort. Horst Bockholt möchte noch in diesem Jahr einen Gegenbesuch in Manchester organisieren.