Gieß den Flughafenkiez - Baumpate werden!

Wie trist würden unsere Straßen aussehen ohne Bäume? Wer den wertvollen Schattenspendern vor seiner Haustür etwas Gutes tun will, gießt sie im Sommer. Mit den neuen Bewässerungssäcken für den Flughafenkiez geht das ganz einfach.

Quelle: Birgit Leiß

Quelle: Birgit Leiß

So werden Sie Baumpate

Wer die Patenschaft für einen Baum im Flughafenkiez übernehmen will, kann sich bei Frau Bracker ein oder zwei Bewässerungssäcke abholen – kostenlos und solange der Vorrat reicht. Man ist dann für fünf Jahre verantwortlich und schließt einen entsprechenden Nutzungsvertrag. Im Herbst werden die Beutel abgebaut und bis zum Einsatz im nächsten Frühjahr zusammengefaltet. Das Anlegen der Wassersäcke ist kinderleicht. Bei alten Bäumen mit dicken Stämmen kann man zwei miteinander verbinden. Wasser holt man sich mit Gießkannen oder Eimern aus dem Wasseranschluss am Hof. Falls das nicht möglich ist oder wenn man nicht mehr so fit ist, kann man auch einen Wasserschlauch erhalten. Ein Tipp: Brauchwasser sammeln, das im Haushalt, zum Beispiel beim Gemüsewaschen anfällt.

Kontakt: baumpate2021@gmail.com


Die rund 430 000 Berliner Straßenbäume haben es nicht leicht. Abgase, Hundeurin und der Trockenstress nach mehreren Rekordsommern machen ihnen zu schaffen. Auch wenn es in diesem Frühjahr recht häufig geregnet hat: schon bald werden sie wieder auf die Unterstützung von gießfreudigen Menschen aus der Nachbarschaft angewiesen sein. Die Grünflächenämter der Bezirke schaffen es allenfalls, die neu angepflanzten Bäumchen zu wässern. Dabei sind Linden, Kastanien & Co enorm wichtig für das Klima in der Stadt, gerade in heißen Sommern.

Ein Fußbad für den Baum

Magdalena Bracker, Anwohnerin aus der Boddinstraße, liegt das Grün sehr am Herzen. Nachdem sie in einer Ausgabe der Flugblätter des Quartiersmanagement Flughafenstraße den Aufruf zum Gießen der Straßenbäume gelesen hatte, kam ihr eine Idee: Bewässerungssäcke für den Flughafenkiez. Diese grünen Plastikbeutel sind seit einigen Jahren immer häufiger in der Stadt zu sehen. Sie werden wie eine Manschette um den Stamm gelegt, mit einem Reißverschluss verschlossen und dann mit 75 Litern Wasser aufgefüllt. Der Vorteil: man muss nicht täglich gießen, denn das Nass wird über kleine Öffnungen an der Unterseite allmählich abgegeben. Außerdem muss man nicht lange warten, bis das Wasser in die verhärteten Baumscheiben eingezogen ist und die Nässe aufnehmen kann. Der Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte 2020 erstmals Wassersäcke angeschafft und an die Bewohnerschaft ausgegeben.

Durstige Bäume retten kostet nur ein paar Euro im Jahr

Ebenfalls aus den Flugblättern hatte Magdalena Bracker erfahren, dass solche Initiativen über den Aktionsfonds des Quartiersmanagement gefördert werden können. Sie stellte einen Antrag und erhielt 1500 Euro. Damit kaufte sie 75 Wassersäcke, außerdem 5 Wasserschläuche und 10 Gießkannen. „Die Schläuche sind für Leute gedacht, die im vierten Stock wohnen, ein kaputtes Knie haben oder ähnliches“, erklärt die Mutter von zwei Kindern. Doch meist gibt es im Hof einen Wasseranschluss, an dem man die Gießkannen bequem auffüllen kann. Der zusätzliche Wasserverbrauch, der über die Betriebskosten auf alle Mieter*innen umgelegt wird, ist minimal. Dennoch empfiehlt Magdalena Bracker, im Haus die Zustimmung einzuholen. Mit dem Grünflächenamt ist die Aktion abgesprochen. Dort ist man froh über die Initiative. Wichtig ist, dass man sich regelmäßig und verantwortlich um „seinen“ Baum kümmert, wobei man sich natürlich mit seinen Nachbarinnen und Nachbarn abwechseln kann.


Der Topf zur Unterstützung guter Ideen ist noch nicht leer

Über den Aktionsfonds können auch andere kleine Projekte für den Kiez unterstützt werden. Ob Hofbegrünung, Kreativworkshop oder Nachbarschaftsfeste – Hauptsache es kommt dem Kiez zugute. Bis zu 1500 Euro gibt es pro Maßnahme. Alle, die im Flughafenkiez wohnen oder arbeiten, können einen Antrag stellen. So wurden 2020 unter anderem Hundekotbeutel angeschafft, Baumscheiben bepflanzt und eine Streichaktion im Gemeinschaftsgarten auf dem ehemaligen Kindl-Gelände gesponsert. Wohlgemerkt: es geht um Sachmittel für eine ehrenamtlich ausgeführte Aktion. Pro Jahr stehen 10 000 Euro zur Verfügung. Für 2021 ist noch Geld da. Die Antragstellung ist unkompliziert, Informationen zum Aktionsfonds gibt es auf der Website des Quartiersmanagements Flughafenstraße. Bei Fragen hilft das QM-Team gerne weiter. Über die Anträge entscheidet die Aktionsfonds-Jury. Sie setzt sich zusammen aus Bewohnerinnen und Bewohnern aus dem Quartier.


Wer wissen will, ob der Baum in seiner Nachbarschaft gerade Wasser braucht, kann auf der interaktiven Karte von www.giessdenkiez.de nachschauen. Hier erfährt man beispielsweise, ob die 37 Jahre alte Amerikanische Linde in der Erlanger Straße derzeit mittleren Wasserbedarf hat, während die 61 Jahre alte Rosskastanie am Sasarsteig dank starker Wurzeln im Moment alleine klarkommt. Besonders praktisch: öffentliche Straßenpumpen, von denen es im Flughafenkiez leider nur eine defekte gibt (Mainzer/Ecke Flughafenstraße) sind auf der Karte verzeichnet. Man kann auf dem Portal auch einzelne Bäume „adoptieren“ und markieren, wenn man sie gewässert hat.

Weitere Infos gibt es beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Berlin.

Beim BUND werden auch die Gießgruppen koordiniert, die sich in vielen Berliner Kiezen zusammengefunden haben. Denn gemeinschaftliches Gießen – unter Einhaltung der Corona-Regeln – macht nicht nur mehr Spaß, sondern verteilt die Arbeit auch auf mehrere Schultern. Weitere Gießgruppen sind willkommen!

Kontakt:
Verena Fehlenberg / BUND Berlin
fehlenberg@bund-berlin.de
Telefon (030) 78 79 00 0