Kindl-Gelände: 20 Jahre ohne Bier

Die Berliner-Kindl-Brauerei hat 2005 ihren Betrieb auf dem Rollberg eingestellt. Nach 20 Jahren ist die Umgestaltung des einstigen Industriegeländes weit fortgeschritten. Der letzte große Baustein, der Umbau des ehemaligen Vollgutlagers, ist in der Planung.

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Foto: Jens Sethmann

Das Brauereigelände wurde in mehrere Teile zerlegt. An der Mainzer Straße entstanden eine Nierenklinik und eine Anlage mit Eigentumswohnungen. Die ehemalige Preuss-Halle wurde zu einem großen Supermarkt. Das Sudhaus mit seinem alles überragenden Backsteinturm beherbergt das Kindl Zentrum für zeitgenössische Kunst. In das ehemalige Verwaltungsgebäude ist Berlin Global Village, ein Zentrum für migrantische Organisationen, eingezogen. Auch die Ludothek ist hier ansässig.

Sozial, kreativ, ökologisch

Den östlichen Teil des Areals hat die Schweizer Stiftung Edith Maryon im Jahr 2016 gekauft. Ihr Ziel ist es, „eine der großen Industriebrachen in Neukölln langfristig für soziale, kreative und ökologische Nutzungen zur Verfügung zu stellen und zu sichern“, so die Stiftung. Dazu wurden Teilflächen per Erbbaurecht an verschiedene Initiativen vergeben.

So hat die Genossenschaft TRNSFRM in einer experimentellen Holz-Hybridbauweise das Haus „Alltag“ errichtet, in dem seit 2022 unter anderem das Gesundheitskollektiv mit seinem Stadtteil-Gesundheits-Zentrum ansässig ist. Auf der anderen Seite des Hofes hat die Genossenschaft die alte Fassladehalle zum CRCLR ("Circular Economy House") umgebaut und erweitert. Hier arbeiten Leute, die sich mit den Themen Recylcing und Kreislaufwirtschaft beschäftigen. Daneben ist hier auch das Wohnprojekt Cosmopolis für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung untergebracht. 

Spannende Pläne für das Vollgutlager

Die 2023 gegründete Genossenschaft Vollgut will die Vollgut- und Flaschenlagerkeller bis 2028 "lokalwohlorientier" umbauen. Die Räumlichkeiten befinden sich unterhalb der Kart-Bahn, von der Neckarstraße aus gesehen hinter der hohen gekachelten Wand. Die lichtlosen und großteils leerstehenden 40 000 Quadratmeter sollen mit möglichst geringen Eingriffen nutzbar gemacht werden. Der Bauantrag ist bereits beim Bezirksamt eingereicht. 

Vollggut hat 27 Genossenschaftsmitglieder, die als künftige Nutzer bereit stehen: unter anderem eine Korea-Markthalle, eine Filmschule, eine Holzwerkstatt, eine Textildruckerei, ein Catering-Dienst , ein queeres Archivzentrum, eine Kletterhalle und eine Kita. Die Vereine Artistania und Zuhause sind bereits unter dem Vollgut-Dach aktiv. Die Mischung soll "ein soziales Kulturzentrum mit enger Nachbarschaftsbindung un queerem und migrantischem Schwerpunkt" ergeben, so die Vollgut-Selbstbeschreibung. 

Aufzug als Dauerärgernis

Seit 2016 ist das Kindl-Gelände auch über die neu gebaute Treppe an der Ecke Neckar-/Isarstraße erreichbar. Für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, ist das allerdings nur Theorie, denn der gleichzeitig installierte Aufzug, mit dem man den Neun-Meter-Höhenunterschied überwinden kann, ist dauerhaft außer Betrieb. Vandalismusschäden und technische Mängel sind die Gründe. Reparaturversuche hatten immer nur einen kurzfristigen Erfolg. Stattdessen sucht man nun nach einer langfristigen Lösung. Zuständig für den Betrieb ist die Vollgut-Genossenschaft. Sie ist aber noch nicht die Eigentümerin der Anlage. „Es ist uns auch ein großes Anliegen, dass es einen funktionierenden Aufzug gibt“, versichert Rahel Stange von Vollgut. Bis auf weiteres muss man aber leider noch die Treppen erklimmen oder einen Umweg über die Karl-Marx-Straße oder die Mainzer Straße machen.

Die Überschrift „20 Jahre ohne Bier“ ist übrigens nicht ganz korrekt. Seit 2009 produziert die private Rollberg-Brauerei in einem Teil des alten Sudhauses Bier, das direkt an Berliner Kneipen geliefert und auch vor Ort ausgeschenkt wird.