Die Polizei war da – und viele Frauen sind gekommen
Die Polizistin Gülcan Pisuth war schon mehrfach zu Gast beim monatlichen Frauenfrühstück. Diesmal hatte sie ihren Kollegen Inan Yesilyurt mitgebracht, der ausnahmsweise in der Frauenrunde mit dabei sein durfte.
Das Team des Café Praxis hatte den Tisch reichlich gedeckt und auch einige Frauen hatten etwas mitgebracht, etwa türkischen Kartoffelsalat und arabisches Hummus. Es gab Tee und Kaffee, Brot und Brötchen sowie verschiedene Aufstriche und Salate. Der Andrang war so groß, dass weitere Tische angebaut werden mussten. Nachdem sich alle gestärkt hatten, ermunterte Gülcan Pisuth die Teilnehmerinnen, Fragen zu stellen.
Was tun gegen Drogenabhängige im Haus?
Eine Anwohnerin aus der Mainzer Straße wollte wissen, was sie dagegen tun kann, dass sich immer wieder Drogenabhängige im Keller aufhalten und dabei auch Spritzen und anderen Unrat hinterlassen. „Ich habe große Angst, alleine in den Keller zu gehen.“ Die Polizei zu rufen, traue sie sich nicht. „Es kann ja sein, dass sie dann schon wieder weg sind und dann ist die Polizei umsonst gekommen“, erklärte sie.
„Unbedingt die Polizei anrufen!“, empfahl Gülcan, die in der Runde gerne beim vertraulichen du bleiben wollte. „Wir kommen lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!“ betonte sie. Die Präventionsbeauftragte hat gute Kontakte zu Fixpunkt, einer Einrichtung der Drogenhilfe. Zudem schreibt sie Berichte ans Ordnungsamt, das dann ein Auge auf bestimmte Adressen hat.
Eine andere Anwohnerin berichtete, dass vor ihrem Haus Haschisch konsumiert wird. Das ist auch nach der Legalisierung nicht erlaubt, wenn - wie in diesem Fall - eine Schule oder Kita in der Nähe ist. Die Polizei kann dann Platzverweisungen aussprechen. Voraussetzung ist aber, dass sie gerufen wird. „Nur wenn wir Meldungen bekommen, können wir etwas unternehmen“, so Gülcan Pisuth.
Sich zusammentun und Druck bei der Hausverwaltung machen
Aber auch die Hausverwaltung ist in der Pflicht. „Mein Vermieter macht nichts“, beklagten mehrere Frauen. Häufig kommen auch Unbefugte ins Haus, weil die Haustür nicht richtig schließt oder das Schloss defekt ist. Auch darum muss sich die Hausverwaltung zügig kümmern. Ein Tipp von Inan Yesilyurt: Mit den anderen im Haus reden und einen gemeinsamen Brief an die Hausverwaltung verfassen.
Cyber-Grooming und Mobbing an den Schulen
Anschließend hatte Gülcan Pisuth eine große Bitte an die anwesenden Frauen, von denen die meisten Mütter sind: „Achtet darauf, dass eure Kinder keinen unkontrollierten Zugang zu Gewaltvideos oder sexuellen Darstellungen haben“. Auch die Handy-Zeit insgesamt sollte beschränkt werden. Viele Kinder und Jugendliche würden Spiele spielen oder Videos anschauen, die für ihr Alter noch gar nicht geeignet oder sind.
Das so genannte Cyber-Grooming, die Anbahnung sexueller Kontakte zu ahnungslosen Minderjährigen im Internet, sei mittlerweile ein Riesenproblem an Schulen, sagte Pisuth, die auch regelmäßig Präventionsveranstaltungen an verschiedenen Grund- und Oberschulen in Neukölln durchführt. Es müsse unbedingt mehr zu Hause darüber gesprochen werden, welche Apps benutzt werden dürfen und welche Gefahren im Netz lauern.
Mehrere anwesende Mütter berichteten von Mobbing und Beleidigungen, etwa in Klassenchats. Gerade deshalb nimmt die Polizei Hinweise dazu sehr ernst und geht diesen immer nach. Aber auch hier gilt: Die Polizei muss erst einmal Kenntnis haben, um helfen zu können „Mobbing wird immer schlimmer“, bestätigte Gülcan. Das hat nach ihrer Überzeugung auch mit der allzu sorglosen Nutzung der sozialen Medien zu tun. Da sind wir alle in der Pflicht, genau hinzuschauen und sich die Zeit zu nehmen, einfühlsam mit den Kindern über diese Themen zu sprechen. Klare Regeln, beispielsweise zu Bildschirmzeiten, geben Orientierung und sind erfahrungsgemäß sinnvoller als strikte Verbote. Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder, das gilt auch für eine verantwortungsvolle Nutzung digitaler Medien.
Das nächste Frauenfrühstück findet am Mittwoch, den 19. November von 10 bis 12 Uhr statt
Alle Anwohnerinnen sind herzlich eingeladen
Ort: Café Praxis im Geko Stadtteil-Gesundheits-Zentrum
Rollbergstraße 30 (auf dem Kindl-Gelände)



