Ausflüge zu arabischen Klangwelten und chinesischen Teekultur

Alljährlich im grauen November bietet die Helene-Nathan-Bibliothek Schnupperkurse in andere Kulturen

Foto: Birgit Leiß.

Foto: Birgit Leiß.

Aus dem Veranstaltungsraum der Bibliothek in den Neukölln Arcaden dringen an diesem Mittwochabend arabische Klänge. Ghaith Al Shaar, Musiklehrer an der Kalamon-Sprachschule in der Wildenbruchstraße, hat zusammen mit einem Kollegen zunächst einen kurzen theoretischen Überblick über die Grundlagen der arabischen Musik gegeben. Nun spielen die beiden auf der Geige und der Oud etwas vor. Anschließend können die Teilnehmenden des Workshops selber auf der Oud, dem wichtigsten Instrument der arabischen Musik, zupfen. „Nur keine Scheu, einfach ausprobieren!“, ermuntert Ghaith al Shaar. Er spielt die im Orient sehr populäre Kurzhalslaute seit seinem zehnten Lebensjahr. Nach und nach nehmen fast alle eine Oud in die Hand und versuchen vorsichtig, ihr ein paar Töne zu entlocken. Ein Teilnehmer kann Gitarre spielen und tut sich daher nicht schwer. Ein anderer ist so begeistert, dass er nach der Möglichkeit fragt, Unterricht zu nehmen. Neben dem Oud-Workshop konnte man in der Interkulturellen Woche vom 24. bis 29. November  bei einer Chinesische Teezeremonie mitmachen, Alebrijes (mexikanische Masken) basteln und mit der traditionellen ukrainischen Maltechnik Petrykiwka Weihnachtsschmuck gestalten.

Auch Mode und Henna-Malerei ist Kultur

Die Idee zur Interkulturellen Woche wurde 2021 geboren, also mitten in der Pandemie, erzählen Claudia Lumpe und Rita Soloviova von der Helene-Nathan-Bibliothek: „Wir haben im Kollegium Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern und so kam die Idee auf, diese Vielfalt nach außen zu tragen.“ Dabei geht es um die unterschiedlichen Aspekte von Kultur, also auch Mode, Henna-Malerei oder eben eine Chinesische Teezeremonie.  Im ersten Jahr, unter den erschwerten Corona-Bedingungen, wurden alle Veranstaltungen aus dem Kollegium bestritten. 2022 und 2023 wurde die interkulturelle Woche im Rahmen einer Projektförderung mit Mitteln aus dem Programm Sozialer Zusammenhalt über das Quartiersmanagement Flughafenstraße finanziert. „Wir haben dann auch Kooperationspartner für die Veranstaltungen gewonnen“, erklärt Rita Soloviova, die das Programm organisiert hat. Seit 2024 wird die Veranstaltungsreihe über eigene Mittel der Bibliothek finanziert.

Große Nachfrage bei Familien

 „Viele Ideen kommen nach wie vor aus dem Kollegium, aber wir schauen natürlich auch, was von der Besucherschaft gewünscht wird“, so Rita Solovia. ,Im Laufe der Jahre hat sie ihre Erfahrungen mit dem Format gemacht. Lesungen beispielsweise kamen nicht so gut an, Mitmach-Veranstaltungen für Familien dafür mehr. „Bei dem Masken-Workshop war es hier richtig voll“, freut sich Claudie Lumpe. Bewährt hat sich auch der Zeitraum Ende November. Zum einen weil man dann nicht mehr in Konkurrenz zu Spielplätzen und Schwimmbädern tritt, zum anderen weil sich verschiedene Weihnachtstraditionen einbinden lassen. Für die nächste Interkulturelle Woche im November 2026 hat das Team schon jetzt viele Ideen, beispielsweise – auf vielfachen Wunsch – Kintsugi, die japanische Kunst der Porzellanreparatur.