Eine Bühne fürs Leben
Über 1500 Menschen strömten am Eröffnungstag, dem 22. November, in die ehemalige Brauerei in der Lucy-Lameck-Straße 32, unweit vom Hermannplatz. Im Keller stieg eine Kinderdisco, in den Studios konnte man bei Workshops Street Dance oder Indischen Tanz ausprobieren und oben im komplett ausverkauften großen Saal wurde auf der Bühne ein Stück über die Kraft des Tanzes beim Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und Rassismus aufgeführt. Es sei ein wichtiger Ort für den Kiez, der Freiräume für junge Menschen und diverse Tanz-Communities schafft, erklärte Neuköllns Kulturstadträtin Janine Wolter.
Battles, Jam-Sessions und Berufsorientierung unter einem Dach
Für die Leiterin Livia Patrizia ist mit diesem Haus ein Traum in Erfüllung gegangen. Seit 20 Jahren geht sie mit ihrem Verein "TanzZeit" in Schulen, um auch benachteiligten Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. "Das war für mich der Eintritt in eine Parallelwelt, wo ich sah, welches Potenzial dieses reiche Land verschenkt, wenn es um die Zukunft seiner jungen Generation geht", sagte sie in ihrer Eröffnungsrede. Mit dem Jungen Tanzhaus will sie einen Beitrag leisten, um soziale Ungleichheit abzubauen. Über den Standort mitten in Neukölln ist die Tänzerin und Choreographin daher sehr glücklich. "Es ist der beste Bezirk, in dem wir landen konnten. Es gibt hier eine große Not und eine große Vielfalt." Das Haus soll ein offener Ort sein, wo Jugendliche nicht nur professionelle Aufführungen erleben können, sondern auch selber kreativ werden können. Seit Frühjahr diesen Jahres, lange vor der offiziellen Eröffnung, werden die Räume für Dance-Battles, Jam-Sessioons und als Tonstudios genutzt. Im Club im Souterrain werden urbane Tanzstile trainiert, die aus der Community kommen und die in der akademischen Ausbildung nicht unterrichtet werden, wie zum Beispiel Crumb. Außerdem bietet der Kooperationspartner "Future Move e.V." kostenfreie Berufsorienterung für Berufs im künstlerischen Kontext an. Bühnenbild oder Techntechnik sind Ausbildungswege, für die oft kein Abitur erforderlich ist und die viele gar nicht kennen. Ein weiterer so genannter Hauspartner mit eigenen Raum ist "Dance on Boards". Hier haben sich professionelle Tänzer:innern und Skater:innen zusammengetan und innovative Angebote für Schulklassen entwickelt. Acuch Schülerpraktika können im Haus absolviert werden.
Wo einst Bier gebraut wurde, wird nun getanzt
Die ehemalige Brauerei an der Hasenheide hat eine bewegte geschichte. Von 1865 bis 1957 wurde hier Bier produziert. Dann stand das schöne, denkmalgeschützte Gebäude Jahrzehnte leer, bevor 1993 die Werkstatt der Kulturen einzog. In 2024 wurde das Betreiberkonzept mit dem Fokus auf Kinder und Jugendlichen neu ausgeschrieben. Der Verein TanzZeit bewarb sich und erhielt Ende 2024 die Zusage. 11 Monate lang wurde renoviert und umgebaut. Herzstück ist neben der gemütlichen Lounge im Erdgeschoss der große Saal mit der beweglichen Tribüne im zweiten Stock. Der Garten soll im Frühjahr mit einem Kinderspielplazu und einem Café hergerichtet werden.




