„Einer der spannendsten Orte“
Am 4. März übergab Baustadtrat Jochen Biedermann der Vollgut-Genossenschaft die Baugenehmigung für ihr Vorhaben auf dem Kindl-Gelände.
Viele Aktive aus der Genossenschaft Vollgut eG und Interessierte aus der Nachbarschaft sind am 4. März auf das Kindl-Gelände gekommen, um die Übergabe der Baugenehmigung für den Umbau des ehemaligen Vollgutlagers der Brauerei zu feiern. „Das ist ein echter Meilenstein – für die Genossenschaft, für den Kiez und für lokalwohlorientiertes Bauen in Berlin“, sagte die Projektentwicklerin Aslı Varol aus dem Vorstand der Genossenschaft. „Damit wird unser Vorhaben ein großes Stück konkreter.“
Gebäude für Menschen
Bis 2028 soll hier ein soziales Kulturzentrum mit enger Nachbarschaftsbindung und queerem und migrantischem Schwerpunkt entstehen. 26 Genossenschaftsmitglieder stehen als künftige Nutzer bereit: unter anderem eine Korea-Markthalle, eine Filmschule, eine Holzwerkstatt, eine Textildruckerei, ein Catering-Dienst, ein queeres Archivzentrum, eine Kletterhalle und eine Kita. Die Vereine Artistania und Zuhause sind bereits unter dem Vollgut-Dach aktiv. Für den Club SchwuZ, der im letzten Jahr leider schließem musste, wird aktuell ein Nachfolger gesucht. "Aus dem Gebäude für die Lagerung von Bier soll ein gebäude für Menschen werden", fasste Genossenschaftsvorstand Christian Ziebertz zusammen.
Der Spekulation Fesseln angelegt
Möglich ist das, weil die Stiftung Edith Maryon 2016 diesen Teil des Kindl-Areals gekauft hat und es der 2023 gegründeten Vollgut eG für eine gemeinwohlorientierten Entwicklung per Erbbaurecht übergeben hat. Das Grundstück ist somit der Spekulation entzogen. Das zeigte auch eine Tanz-Perfomance, die Artistania zur Feier des Tages aufgeführt hat: Eine bunte Tierwelt aus dem Hirsch, Vogel, Hase und Elefant legte einen grauen Immobilienspekulanten in Fesseln.
Für Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann ist das Engagement der Stiftung ein "Glücksfall". "Dies ist einer der spannendsten Orte nicht nur in Neukölln, sondern auch in ganz Berlin", so Biedermann. Deshalb stellte er die Baugenehmigung für diesen letzten Baustein des Kindl-Geländes auch ganz persönlich zu.
Kompliziert, aber spannend
Der eigentliche Genehmigungsbescheid umfasst nur sechs Seiten. Der technische Anhang füllte aber einen dicken Aktenordner. Das liegt an dem ungewöhnlichen Gebäude. Unterhalb der unspektakulären Halle, die heute die Kart-Bahn beherbergt, befinden sich vier lichtlose Kellergeschosse mit 40.000 Quadratmetern Fläche, die zur tiefer gelegenen Neckerstraße eine hohe, geschlossene Wand zeigen. Die Räumlichkeiten sollen mit möglichst geringen Eingriffen nutzbar gemacht werden.
"Das ist sehr speziell und auch kompliziert", berichtete Jochen Biedermann."Das Projekt zur Genegmigungsreife zu bringen, war anstregend für die Vollgut-Genossenschaft und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtentwicklungsamtes". Christian Ziebertz bestätigte das: "Aber nach einem Jahr ist am Ende etwas gelungen, worauf wir stolz sein können". Nach der mit Applaus übergebenen Baugenehmigung kamen die Teilnehmenden anschließend bei einem Umtrunk miteinander ins Gespräch.



