Ein sonniger Gute-Laune-Tag mit Nachbar*innen

Mit einer Lange Tafel wurde am 29. Mai am Sasarsteig der Tag der Nachbarschaft gefeiert

Foto: Birgit Leiß

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„Mama, die feiern ja auch ein Nachbarschaftsfest!“, rief ein Kind, das mit seiner Mutter zufällig vorbeikam. In der Tat sah man an diesem Freitagnachmittag überall in der Stadt kleine Konzerte, Hoffeiern und gemütliche Kaffeerunden. Der bundesweite Aktionstag für nachbarschaftliches Miteinander wurde 2018 von der nebenan.de Stiftung ins Leben gerufen. „In diesem Jahr sind wir am Sasarsteig dabei– als einzigem Ort in Berlin“, erklärte Julia Ströhle von der Stiftung. Der Tag der Nachbarschaft will ein Zeichen setzen für Zusammenhalt, Engagement und Vielfalt – direkt vor der eigenen Haustür.

Little Italy in Neukölln 

Das Team vom Neuköllner Nachbarschaftsprojekt interkular (www.interkular.de) hatte eine lange Tafel aufgebaut und liebevoll mit Blumensträußen gedeckt. Nach und nach füllte sie sich mit allerlei Köstlichkeiten. Alle waren gebeten worden, etwas zum Teilen mitzubringen und ein paar Sätze darüber zu erzählen. Eine Anwohnerin präsentierte stolz ihr „Sommerexperiment“, wie es sie nannte: zwei Aufstriche mit Möhren, Schafskäse, Olivenöl sowie Lauch aus dem eigenen Garten. Eine andere Frau hatte Erdbeertörtchen mitgebracht. Sie verbinde damit einen „warmen, sonnigen Gute-Laune-Tag mit den Nachbarn“, schrieb sie auf eine Karte. Alle, die etwas zur Tafel beigesteuert hatten, wurden fotografiert und die Karte mitsamt dem Foto an eine lange Leine gehängt. Ein paar junge Leute von „Acta“, einer neugegründeten Gruppe italienischer Expats in Neukölln, stellten Focaccia und Bananenbrot auf den Tisch – natürlich selbstgebacken. „Wir wollen etwas für die Stadt machen“, erklärte Bea die Idee von Acta. Bisher hat die Gruppe aus der italienischen Community unter anderem einen Pasta-Workshop, mehrere Filmabende und einen Spieleabend organisiert. (www.instagram.com/acta_berlin/)

Mehr Liebe für den Sasarsteig

„Was würde diesen Kiez für dich einladender und inklusiver machen“, wurde auf einer „Matrix der Solidarität“ gefragt. Unter der Überschrift „Kiez Love“ konnte man auf die Tafel schreiben, was man teilen möchte und was man sucht. Vom Italienisch-Tandem bis hin zu Müllsammel-Aktionen reichten die Vorschläge. Apropos Müll: am Morgen des 29. Mai hatte das Team von interkular am Sasarsteig saubergemacht. „Das ist so ein schöner Platz, nur leider total zugemüllt“, meinte Marina von interkular.

Perfektes Wetter, schöne Stimmung

Mit dabei war auch die Union für Obdachlosenrechte Berlin (Ufo). Die Initiative, die sich für die Rechte von Wohnungs- und Obdachlosen engagiert, verschenkte gerettete Lebensmittel und hatte einen Eintopf mit veganen Würstchen mitgebracht. Bei herrlichem Sommerwetter setzten sich viele Menschen auf die Bänke und kamen miteinander ins Gespräch. Die Kinder, von denen viele auf dem Nachhauseweg von Schule oder Kita mit ihren Eltern spontan vorbeischauten, konnten mit dem KinderKultur-Club Neukölln Blumen basteln und auf einer Tafel ihre Traumvorstellung vom Sasarsteig 2036 malen. Zum Ausklang des Nachmittags gab’s noch kurdische Live-Musik. „Ein richtig schönes Fest hier mit der Musik“, meinte eine Frau, die ihre Tochter zunächst ermahnte, sich nichts von den Köstlichkeiten zu nehmen. „Wir haben nichts mitgebracht, hier geht es ums Teilen“, erklärte sie ihrem Kind. Doch so eng wurde das nicht gesehen. Es war genug für alle da.