Lotsen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben

Das neue Projekt „Perspektivwechsel“ unterstützt geflüchtete junge Frauen auf ihrem Weg ins Berufsleben


Eine neue Sprache lernen, sich im Dschungel der Bildungs- und Qualifizierungswege zurechtfinden - für junge Frauen mit Fluchthintergrund ist das alles andere als einfach, zumal sie als Frauen mit Migrationshintergrund doppelt diskriminiert sind. Der Verein TIO, der langjährige Erfahrung mit der Integration von Migrantinnen ins Erwerbsleben hat, möchte die Neuankömmlinge mit dem Projekt „Perspektivwechsel“ ganz gezielt unterstützen  und ihnen – wie der Name schon sagt – neue Perspektiven eröffnen. 

Coaching, Beratung und gemeinsame Ausflüge 

In den Räumen von TIO e.V. in der Reuterstraße können die Mädchen und Frauen ihre Deutschkenntnisse verbessern, Hausaufgaben machen oder sich auf den Mittleren Schulabschluss beziehungsweise das Abitur vorbereiten. Das Dozentinnen-Team hilft bei der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz – wobei auch klassische Männerberufe beworben werden – und bietet Bewerbungscoaching. Bei Bedarf wird zu Themen wie Sucht oder zu familiären Problemen beraten. Auch Ausflüge und kulturelle Aktivitäten stehen auf dem Programm. Das Projekt ist eine Weiterentwicklung von „LIFT“, erklärt Frances Lundström von TIO. Während sich LIFT an junge Migrantinnen allgemein richtete, ist die Zielgruppe nun geflüchtete Frauen im Alter von 16 bis 25 Jahren. 

In Neukölln genau an der richtigen Adresse 

Start war bereits Anfang 2018. Am 2. Mai 2018 wurde das Projekt im Beisein vieler Gäste und Partner offiziell eröffnet. „Wir sind sehr glücklich, dass wir für zwei Jahre eine Förderung durch die Lotto-Stiftung bekommen haben“, sagte Frances Lundström. Dass der Bedarf riesig ist, darüber waren sich die anwesenden Vertreter*innen von Senat und Bezirksamt einig. „Das Geld ist hier richtig gut anlegt“, meinte Dagmar Gerber von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Es gehe darum, Frauen so stark zu machen, dass sie ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben gehen können. Bezirksbürgermeister Martin Hikel bekräftigte, dass ein solches Projekt in Neukölln genau an der richtigen Adresse sei. 

Erste Erfolge  

Hana, eine der Teilnehmerinnen, berichtete, dass es in der Schule jetzt viel besser läuft: „Inzwischen habe ich sogar in Geo bessere Noten.“  Eine wichtige Säule des Projekts ist auch das Mentorinnenprogramm. Hier geborene oder aufgewachsene Migrantinnen, die beim Vorgängerprojekt LIFT mit dabei waren, übernehmen Patenschaften für die geflüchteten Frauen. Gemeinsam tauscht man sich über seine Erfahrungen aus, unternimmt etwas zusammen und vor allem vermitteln die „alten Hasen“ den zugewanderten Frauen: ‚ich hab’s  geschafft, Deutsch zu lernen und meinen Schulabschluss zu machen, also schaffst du das auch‘.