Kein altes Eisen

Foto: Jens Sethmann

Im Flughafenkiez kümmert sich demnächst ein neues Projekt um die Bedürfnisse der Menschen über 60.

Der Neuköllner Norden ist im Wandel: In den letzten zehn Jahren ist der Bezirk immer jünger geworden. Alte Menschen sind hier schon fast zur Seltenheit geworden. Auch im Flughafenkiez: Hier sind nur sieben Prozent der Bewohner*innen über 65 Jahre alt. Das ist viel weniger als im Berliner Bevölkerungsschnitt: In der ganzen Stadt sind 19 Prozent der Berliner*innen im Rentenalter. Die Senior*innen im Flughafenkiez haben auch bedeutend weniger Geld als die Berliner Durchschnittsrentner*innen. Sie sind dreimal so häufig von Altersarmut betroffen.

Der Eintritt ins Rentenalter hat für viele Menschen heute aber nichts mehr mit dem Ruhestand zu tun. Die „jungen Alten“ sind körperlich und geistig fit, pflegen alte und neue Hobbys, lernen Sprachen, gehen auf Reisen und gestalten ihre Freizeit aktiv. Auf der anderen Seite gibt es Senior*innen, die wegen ihrer kleinen Rente nicht unbegrenzt am öffentlichen Leben teilnehmen können und sich nach und nach zurückziehen.

Altersfreundlicher Flughafenkiez

Damit sich niemand zum alten Eisen gehörig fühlen muss, wird es ab nächstem Jahr ein neues Projekt des Quartiersmanagements geben. Der Quartiersrat bewilligte für 2019 und 2020 je 20 000 Euro für ein Konzept, das gezielt Senior*innen ins Kiezleben einbindet. Was vermissen Leute über 60 in ihrem Kiez? Wie können die bestehenden Angebote für sie verbessert werden?

Die Idee entstand unter dem Eindruck des Projekts Age Friendly Neighbourhood aus Manchester. Im März haben Vertreter aus England ihr Programm für eine altersfreundliche Stadt im Quartiersrat vorgestellt. Auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen begrüßt die Idee, weil diese Altersgruppe im Programm Soziale Stadt bisher kaum berücksichtigt wurde.

Mit dem Thema Generationengerechtigkeit befasste sich auch die Mitmach-Bastelaktion „Saustall Neukölln“, die im Rahmen des Festivals „Offenes Neukölln“ im Juni auf der Klunkerkranich-Dachterrasse stattfand. Alte und junge Menschen haben gemeinsam Schweine aus Pappmaché gebastelt. „Es gibt ziemlich viele Sauereien, was das Soziale betrifft“, sagt die Anwohnerin, Rentnerin und Künstlerin Friederike Grossherr, die die Idee für diese Aktion hatte. Beim Basteln sind die Generationen ins Gespräch über Kinderarmut und Altersarmut gekommen.

Angebote (nicht nur) für Senior*innen

Ein besonderer Anlaufpunkt für Senior*innen ist das Bürgerzentrum Neukölln in der Werbellinstraße 42. Bis vor fünf Jahren hieß es noch „Haus des älteren Bürgers“, doch heute versteht sich das Bürgerzentrum auch als generationsübergreifende Begegnungsstätte für Jung und Alt. Neben Beratungs- und Hilfsangeboten kann man hier Geselligkeit beim Kartenspiel oder beim Chor-Singen finden. Jeden Mittwoch-Morgen starten zwei Spaziergangsgruppen. Donnerstags findet ein Tanz-Tee mit Live-Musik statt. Im Restaurant „Kantineria44“ gibt es montags bis freitags hausgemachtes Essen zu günstigen Preisen.

Auch die Volkshochschule Neukölln mit ihrem Hauptsitz im Haus der Bildung in der Boddinstraße 34 hat eine ganze Reihe von Kursen im Angebot, die sich speziell an ältere Menschen richten. Im Herbstprogramm finden sich zum Beispiel Angebote wie „Fit ab 50“, „Yoga für Frauen ab 50“ oder Osteoporose-Training. Die Englisch-, Französisch-, Spanisch- und Italienisch-Kurse „ohne Stress“ sind ebenso auf die Altersgruppe „50+“ zugeschnitten wie die Einführung „Internet-Grundlagen mit Muße“. Viele dieser Lehrgänge finden allerdings dort statt, wo mehr Senioren wohnen, etwa in der Alten Dorfschule Rudow oder im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt.


Bürgerzentrum Neukölln
Werbellinstraße 42
Tel.: (030) 681 80 62

infobuergerzentrum-neukoelln.org
www.buergerzentrum-neukoelln.org