Wohin steuert der Flughafenkiez?

Der Kiez berät über einen Fahrplan für die nächsten Jahre

Am 19. Mai 2015 kamen in der Mensa der Albert-Schweitzer-Schule knapp 50 Menschen zusammen, um über den weiteren Weg des Flughafenkiezes zu beraten. Bei einer öffentlichen Sitzung des Quartiersrates konnten die Bürger mitbestimmen, was im Kiez in den nächsten Jahren passiert. In den kommenden Tagen gibt es noch weitere Möglichkeiten, Anregungen und Ideen zur Zukunft des Quartiers loszuwerden.

Zur Debatte steht das Papier mit dem bürokratischen Namen „Öffnet internen Link im aktuellen FensterIntegriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2015“, kurz IHEK. „Das ist der Leitfaden für die Gebietsentwicklung in den nächsten zwei bis fünf Jahren“, erklärt Quartiersmanager Thomas Helfen. Im Konzept sollte möglichst alles drinstehen, was den Kiezbewohnern wichtig ist. Denn aus dem Programm Soziale Stadt und anderen Förderprogrammen können künftig nur solche Projekte gefördert werden, die sich aus dem IHEK ableiten lassen. Weil sich die Probleme und Bedürfnisse im Kiez laufend ändern, wird das Konzept alle zwei Jahre überarbeitet.

Um herauszufinden, wo nach Meinung der Bewohner investiert werden müsste, gab es auf der Veranstaltung mehrere Abstimmungen mit Funk-Wahlgeräten, die das Ergebnis sofort auf den Bildschirm bringen.


Im Bereich Jugend und Familie fanden die Vorschläge, eine neue Kita zu bauen und den Bunker auf dem Boddinspielplatz für Jugendliche nutzbar zu machen, die größte Zustimmung.

Beim Thema Schule entfielen die meisten Stimmen auf den Aufbau einer Volkshochschul-Außenstelle in den Neukölln Arcaden, um dort Menschen zu erreichen, die sonst keinen Fuß in die Bildungsstätte setzen würden.

Das ehrgeizige Projekt, ein Stadtteilzentrum neu zu bauen, hatte im Bereich Soziales, Sport und Kultur die Nase vorn. Bei den Grünanlagen und Spielplätzen lagen die Vorhaben, den Käpt'n Blaubär Spielplatz aufzuwerten und die Spielfläche am Sasarsteig zu erweitern, etwa gleich auf.

Unter den Vorschlägen für das öffentliche Straßenland wurde ein Fußgängerüberweg zwischen dem Boddinplatz und dem Boddinspielplatz am stärksten befürwortet.

Nach den Abstimmungen setzten sich die Teilnehmer in drei Arbeitsgruppen zusammen. Zu den Themen Wohnumfeld, Nachbarschaft sowie Bildung und Jugend wurden nicht nur alte und neue Probleme angesprochen, sondern auch viele Lösungsmöglichkeiten und weitere wertvolle Ideen gesammelt. Die Ergebnisse wurden von der Comic-Künstlerin Imke Schmidt (123comics.net) live mitgezeichnet. Die anschauliche und humorvolle Comic-Dokumentation kann man sich ab dem 29. Mai im Quartiersbüro ansehen.


Von den Teilnehmern war etwa die Hälfte noch nie auf einer solchen Bürgerbeteiligungs-veranstaltung. Das ist ein Erfolg, weil man ja nicht nur die Ansichten derjenigen Bürger berücksichtigen will, die gewohnt sind, ihre Interessen öffentlich zu vertreten.

Um noch mehr Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht zu Wort melden, hat der vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung im Flughafenkiez  gezielt Interviews mit sozial Benachteiligten, Neuzuzüglern, jungen Leuten und traditionell-religiös eingestellten Menschen geführt.

 

In den Gesprächen wurde immer wieder bemängelt, dass es zu wenig Angebote für Jugendliche gibt. Befürchtet wird auch, dass die offene Präsenz von Drogen, Alkohol, Glücksspiel und Prostitution einen schlechten Einfluss auf Jugendliche haben könnte. Manche Gesprächspartner berichten, dass sie bestimmte Straßen deswegen meiden.

Kritisiert wurde auch die starke Verschmutzung der Straßen. Der stete Wandel in der Nachbarschaft verunsichert zudem ältere Bewohner, die sich deshalb zurückziehen. Einig waren sich die unterschiedlichen Interviewpartner darin, dass sie sich ein engeres nachbarschaftliches Zusammenleben wünschen.

Sowohl die Abstimmungsergebnisse und die Ideensammlung aus den drei Arbeitsgruppen als auch die Erkenntnisse aus den vhw-Befragungen fließen in das Quartierskonzept ein. Die Diskussion ist noch nicht beendet.

Bis zum 26. Mai 2015 läuft noch die Online-Umfrage unter
www.qm-flughafenstrasse.de/index.php?ihek_2015 

Das Quartiersmanagement sammelt auch noch beim Öffnet internen Link im aktuellen FensterTrödelmarkt auf dem Boddinplatz am 31. Mai 2015 Meinungen und Ideen für den Flughafenkiez.

Und man kann sich bis dahin auch persönlich mit seinen Anregungen im Quartiersbüro in der Erlanger Straße 13 melden.

Anschließend arbeitet das Quartiersmanagement eine Rohfassung des IHEK aus, die Anfang Juni mit dem Bezirk und der Senatsverwaltung beraten wird.

Auf der nächsten Quartiersratssitzung am 7. Juli 2015 wird das fertige Konzept vorgestellt.

Nach der Sommerpause wird das Kiezgremium am 22. September 2015 schon über die ersten konkreten Projektideen entscheiden, die sich aus dem neuen Stadtteil-Leitfaden ergeben.

Webredaktion Leiss/Sethmann
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