• Foto: Sabine Münch

Nachbarschaft

Integration und Kultur

Über die Hälfte der Menschen im Gebiet Flughafenstraße haben ihre Wurzeln in der Türkei, Serbien, Palästina, Ghana oder anderswo in der Welt.

Im Straßenbild ist diese Vielfalt nicht zu übersehen. Es gibt Afro-Friseure, arabische Imbisse, 
eine englische Buchhandlung und türkische Brautmodengeschäfte. Auch das Kulturleben wäre ohne die Zuwanderer ärmer, man denke nur 
an das Herdelezi Roma Kulturfestival oder all die internationalen Künstler, die bei den 48 Stunden Neukölln mitmachen.

Darüber hinaus helfen Migrantenselbstorganisationen den alten und neuen Zuwanderergruppen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Sie machen – zum Teil ehrenamtlich – Elternberatung an den Schulen, bieten Hausaufgabenhilfe und Deutschkurse an oder unterstützen bei der Suche nach einem Ausbil- dungs- oder Arbeitsplatz.Für das Quartiersmanagement sind sie daher wichtige Partner.

Austausch und Unterstützung auf Augenhöhe

Kinder brauchen positive Vorbilder für einen erfolgreichen Lebensweg – und die müssen nicht unbedingt Frau Müller oder Herr Meier heißen. Als vor einigen Jahren der Ganztagsbetrieb in der Öffnet internen Link im aktuellen FensterAlbert-Schweitzer-Schule aufgebaut wurde, war man daher froh, das Öffnet externen Link in neuem FensterTürkisch-Deutsche-Zentrum (TDZ) als Träger gewinnen zu können. 
Den eingesetzten Coaches, überwiegend junge Studierende mit Migrationshintergrund, fiel es nicht schwer, Zugang zu den Schülerinnen und Schülern zu finden und sie individuell beim Lernen zu unterstützen.

Die Einbindung von Migrantenorganisationen hat sich auch in anderen Bereichen bewährt.

So wurde der Verein "Amaro Foro e.V." mit der Trägerschaft eines Soziale-Stadt-Projektes zur gesellschaftlichen Eingliederung von Neuzuwanderern mit Roma-Hintergrund beauftragt.

Das Modellprojekt Öffnet externen Link in neuem FensterStadtteilmütter hat gezeigt: die gleiche Sprache und ein ähnlicher kultureller Hintergrund schaffen Vertrauen. Die Stadtteilmütter besuchen die Familien zu Hause und reden mit ihnen in ihrer Sprache über Erziehung, Gesundheit oder den Kindergartenbesuch. 
Dass die Mütter und Väter nicht von oben herab behandelt werden, macht diese Arbeit so erfolgreich. 
Auch Familien, die sich Institutionen wie Jugendamt oder Schule verweigern, können so erreicht werden. 

Orte der Begegnung
 
Von 2008 bis Ende 2011 gab es in der Flughafenstraße 21 das interkulturelle Mehrgenerationenhaus „Çamlık – Stadtoase“. Hier hatten Migrantenvereine ihre Räume, hier fanden Deutschkurse, Filmabende und Hartz-IV-Beratungen statt. Nachbarn konnten zum Familienfrühstück im Café vorbei kommen oder einen der zahlreichen Kurse belegen, von  Englisch über Capoeira bis hin zum Seniorensport. Ein Ort der Begegnung wollte das Haus sein, offen für alle Generationen und Kulturen. Mit der Schließung ist dieser wichtige Ankerpunkt für die Gemeinwesen- arbeit weggefallen. 


Für türkischsprachige Bewohner von der Schwarzmeerküste ist der Öffnet externen Link in neuem FensterRize Kultur- und Solidaritätsverein in der Boddinstraße 63 eine wichtige Anlaufstelle.

Frauenfrühstück, Handarbeitskurse, Vorträge. Vor allem Frauen haben hier eine zweite Heimat gefunden.

Der Rize e.V. mischt darüber hinaus bei jedem Nachbarschaftsfest mit und beteiligt sich auch bei denÖffnet externen Link in neuem Fenster 48 Stunden Neukölln.

Kultur schlägt Brücken

Seit 2009 wird in der Boddinstraße das Herdelezi-Roma-Kulturfestival gefeiert. Öffnet externen Link in neuem FensterAmaro Foro e.V., der das Straßenfest organsiert, will mit dieser Veranstaltung Vorurteile abbauen und Begegnungen zwischen Roma und Nicht-Roma ermöglichen. Auf der Bühne und an den Ständen präsentieren sich die Roma-Communities an diesem Tag mit ihren Kulturen und ihrem vielfältigen Engagement im Kiez. Es gibt Balkan-Musik, Theateraufführungen, Info-Stände und kulinarische Spezialitäten. Im Jahr 2015 ist das Herdelezi-Fest erstmals mit dem traditionellen Nachbarschaftsfest für den Flughafenkiez verschmolzen. 
Zur kulturellen Bereicherung trug auch viele Jahre das „Rroma Aether Klub Theater“ in der Boddinstraße 5  bei. Bis zu seiner Schließung 2013 war es deutschlandweit die einzige von Roma betriebene Spielstätte. 
Die Brüder Nebojša und Slaviša Marković hatten die Mischung aus Theater und Café Anfang 2006 eröffnet – zu einer Zeit, als die Gegend noch als kulturelle Einöde galt. 
Im Rroma AKT konnte man Hörspiele von Anton Tschechow, Konzerte mit Balkanmusikern und szenische Lesungen mit Roma-Märchen
erleben.

Der spannende Kulturstand ort zog auch andere Künstler in die Gegend. Vor allem die Boddinstraße erlebte einen regelrechten Schub.