• Foto: Sabine Münch

Blueberry Inn

Das verlängerte Kinderzimmer

Das Blueberry Inn ist ein offener Kinder- und Jugendtreff – die einzige Einrichtung dieser Art im Gebiet Flughafenstraße. Seit der Eröffnung im September 2007 ist es zu einer wichtigen Institution im Kiez geworden. Viele Jungen und Mädchen haben hier quasi ihr zweites Kinderzimmer, wo sie nach der Schule hingehen, um Freunde zu treffen und Spaß zu haben. Man kann hier ohne Anmeldung zahlreiche Freizeitange- bote nutzen, zum Beispiel Kicker, Carrom, Tischtennis, diverse Brett- und Kartenspiele, Bücher und eine Playstation. Dazu kommen fast jeden Tag feste, regelmäßige Angebote, etwa Hausaufgabenhilfe, Rap-Work- shop, Streetdance, Kochen und vieles mehr. Ab und zu werden auch Ausflüge gemacht. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugend- liche von 8 bis 15 Jahren. Träger der Einrichtung ist „Outreach - Mobile Jugendarbeit Berlin“.

Der Vorgarten des Blueberry
 
Mit seinen 64 Quadratmetern Nutzfläche platzt das Haus manchmal aus allen Nähten. Da trifft es sich gut, dass das Haus direkt an den Käpt’n-Blaubär-Spielplatz angrenzt.

Vor allem in der wärmeren Jahreszeit geht die Einrichtung sozusagen nahtlos in den Außenbereich über. Hier kann man Skateboard oder Rollerblades fahren, Minigolf spielen, Seil springen und natürlich auf dem Bolzplatz kicken. Viele Kids aus dem Blueberry Inn lieben Fußball über alles.

Die Teams nehmen berlinweit an Turnieren teil und haben schon den einen oder anderen Cup geholt. Die Nähe zum Spielplatz ermöglicht es den Mitar- beitern außerdem, Kontakte zu den Eltern und jüngeren Geschwistern zu knüpfen. Vor allem Mütter nutzen den Spielplatz als Treffpunkt, während ihre Kinder dort spielen oder das Blueberry Inn besuchen.

Mehr als nur eine Freizeiteinrichtung

Durch gemeinsame Aktivitäten und viele Gespräche entwickelt sich eine Vertrauensbasis zu den Mitarbeitern. „Sie kommen zu uns, wenn sie Probleme in der Schule, auf der Straße oder in der Familie haben“, erklärt der Leiter des Blueberry Inn, Jens Schielmann. Auch für die Eltern sind die Sozialarbeiter von Outreach in Fragen rund um die Erziehung kompetente Ansprechpartner. Mit den Sport- und Spielangeboten lernen die Kids Teamfähigkeit, Fairness und das Akzeptieren von Regeln. Für viele Kids aus schwierigen Familienverhältnissen ist das Blueberry Inn eine Oase, wo sie Aufmerksamkeit bekommen und gestärkt werden.

Kinder bestimmen mit

Im Blueberry Inn herrscht Basis- demokratie. Einmal im Monat gibt es eine Vollversammlung, bei der die Kinder und Jugendlichen darüber abstimmen, welche Spielmöglichkeiten ins feste Programm aufgenommen werden sollen, welche Spiel- und Sportgeräte sie gern hätten oder wohin sie einen Ausflug machen möchten. So kam vor einigen Jahren der Wunsch nach einem speziellen Jungentag auf. Seitdem ist Montag Jungentag und Samstag Mädchentag. Auch die Hausregeln wurden zusammen mit den Kindern entworfen. Toleranz, ein respektvolles Miteinander und die friedliche Lösung von  Konflikten sind wichtige Grundregeln im Blueberry Inn.

Am Anfang stand die mobile Arbeit

Jugendliche, die sich nicht benehmen können und die wegen Pöbeleien aus den Arcaden oder der Bibliothek rausfliegen – auch das gehört leider zur Realität. Schon bevor das blaue Haus gebaut wurde kümmerten sich die Streetworker von Outreach  auf dem Käpt’n-Blaubär-Spielplatz um solche Cliquen. Seit April 2015 gibt es ein Pilotprojekt, mit dem man das Problem in den Griff bekommen will. „Wir nehmen Kontakt zu den Jugendlichen auf, versuchen sie zu motivieren und ihnen gleichzeitig die Folgen ihres Tuns klar zu machen“, erklärt Nihat Karatoprak von Outreach.

Das Blueberry Inn im Jahre 2020

Bei einer zweitägigen Ideenwerkstatt im Oktober 2015 wurden die Kids aufgefordert, sich Gedanken über das Blueberry Inn 2020 zu machen: 
Wie müsste ein Raum aussehen, in dem du dich wohl fühlst? Welche Atmosphäre würdest du dir wün-
schen? Alle Teilnehmenden konnten ihren Wunsch-Raum in einem Karton darstellen. Ganz oben auf der Hitliste: Inseln mit Palmen, Blumenwiesen und Fußballstadien. Außerdem würden viele ein Haus mit Treppen besser finden. Die ebenerdigen Räumlich- keiten kommen nicht so gut an.