Graffiti-Gestaltung mit Kindern der Hermann-Boddin-Schule

Foto: Birgit Leiß
Foto: Birgit Leiß

Am Boddinplatz ruft jetzt der Berg

Die Graffiti-AG ist die beliebteste AG in der Hermann-Boddin-Grundschule. Und was könnte mehr Spaß machen, als das Erlernte in die Tat umzusetzen - natürlich ganz offiziell als Auftragskunst. Die 20 Fünft- und Sechstklässler*innen konnten es am 22. April jedenfalls kaum abwarten, endlich die Sprühdose in die Hand zu nehmen.

Die Mission an diesem Samstagnachmittag: die mit Krakeleien („Tags“) beschmierte Kletterwand auf dem Boddinspielplatz in eine Berglandschaft zu verwandeln, inklusive blauem See und hohen Gipfeln. Das Motiv hatte das Quartiersmanagement Flughafenstraße mit Miles Sehmrau, Graffiti-Künstler und Leiter der Schul-AG, gemeinsam abgestimmt. Die Sprühdosen und andere Sprayutensilien, die vom Bezirksamt Neukölln finanziert wurden, waren fein säuberlich auf einer Bank aufgereiht, auf der Bank nebendran standen Getränke und Kekse zur Stärkung der jungen Künstler*innen bereit. Endlich durften die Mädchen der ersten Gruppe anfangen. „Herr Miles, warum dürfen die schon?“ fragten die Jungs ungeduldig. „Wir haben im Unterricht gelernt, wie man die Sprühdose halten muss und haben auch schon auf Pappe gesprüht“, erzählt ein Mädchen. „Wir haben nicht nur über Techniken gesprochen und darüber, wie man Skizzen anfertigt, sondern auch über das Thema Graffiti und Kunst ganz allgemein“, ergänzt Miles Sehmrau.

„Herr Miles“, wie er von den Schüler*innen genannt wird, rennt an diesem Nachmittag von einem Kind zum anderen. Er hilft bei der Auswahl der richtigen Farbe, mahnt das Tragen des Atemschutzes an und achtet darauf, dass niemand Unfug treibt. „Herr Miles, darf ich meinen Namen aufsprühen?“ will ein Junge wissen. „Natürlich nicht, das weißt du doch“, lautet die Antwort. Die Jungen und Mädchen lernen, dass man vom langen Sprayen Fingerschmerzen bekommt und dass die Farbe richtig trocknen muss, wenn sie nass geworden ist. Wegen mehrerer Regengüsse muss immer wieder unterbrochen werden und schließlich einigt man sich darauf, in den nächsten Tagen weiter zu machen. Die letzten schwierigen Feinarbeiten, ein Bär und ein Schmetterling, wird Miles Sehmrau gemeinsam mit Franz Bachmann, Graffiti- Künstler und Sozialpädagoge, machen. Dieser arbeitet an einer Integrierten Sekundarschule in Berlin-Neukölln und unterstützt die Aktion des Quartiersmanagements und der Hermann-Boddin-Schule freiwillig.

Am Ende sind die Kinder mächtig stolz auf ihr Bild. Auch von Passant*innen und Spielplatzbesucher*innen kommt jede Menge Lob. Doch damit ist die Gestaltungsaktion noch nicht zu Ende. Im Rahmen des Kunstfestivals „48 Stunden Neukölln“ werden die Schüler*innen am 24. Juni weitere Figuren und Schriftzüge auf die Kletterwand sprühen. Als Motive haben sie sich Monster, Planeten und das Weltall ausgedacht. Auch die Frontwände des Spielplatzes sollen bemalt werden. Die Sprayaktion ist Teil eines Gesamtkonzeptes mit mehreren Aufwertungsmaßnahmen auf dem neu gestalteten Boddinspielplatz, um dessen Attraktivität möglichst lange zu erhalten.