Das versteckte Schultier weckt die Kreativität

Foto: Birgit Leiß
Foto: Birgit Leiß
Foto: Birgit Leiß

Kinder der Hermann-Boddin-Schule bauen mit Künstler*innen eine Großpuppe

Seit März bauen etwa 20 Kinder aus der Hermann-Boddin-Grundschule zusammen mit Künstler*innen vom Verein Artistania an einer Großpuppe für ein Straßentheater. Es soll ein Mischwesen aus Panda, Tiger, Fledermaus und Eule werden, ein imaginäres Fabeltier, das sich im Keller der Schule versteckt und erst herauskommt, wenn alle gegangen sind. In einer ersten Phase sollten die Kinder malen, wie sie sich dieses versteckte Schultier vorstellen. Nun hat die praktische Arbeit begonnen. Bis zur großen Aufführung beim Kunstfestival 48 Stunden Neukölln ist noch jede Menge zu tun. „Die Kinder sollen die Erfahrung machen, dass es sich lohnt, dranzubleiben, auch wenn es zwischendurch mal etwas mühselig ist, denn am Ende werden wir ein schönes Ergebnis sehen“, erklärt Fiona Kelly. Zusammen mit Claire Chaulet, Mitbegründerin und Vorsitzende des Vereins Artistania, holt sie die Kinder an zwei Nachmittagen der Woche in der Schule ab und begleitet sie in das Atelier des Vereins in der Neckarstraße. An diesem Nachmittag ist es eine reine Mädchengruppe. Einige gehen in die Willkommensklasse, die meisten sind in der Freizeit-AG der Schule. Auf einem großen Tisch ist der Zeichenplan der zwei mal zwei Meter großen Puppe ausgebreitet. Alle bekommen eine Aufgabe: einige sollen ausmessen, andere dürfen bohren oder die Aluminiumstangen verschrauben. „Das macht Riesenspaß“, findet Drilona. „Ich kann das nicht, Frau Fiona!“, ruft Jasmine, die die Stangen für das Skelett ineinander stecken soll. „Doch, das klappt schon“, ermuntert die Theaterpädagogin Fiona Kelly die Schülerin. Am Ende der eineinhalb Stunden ist das Rückgrat fertig. „Beim nächsten Mal machen wir die Beine“, sagt Fiona Kelly.

Konzipiert wurde die Großpuppe von Saba Tsereteli. Der Bildhauer und Figurenspieler ist Grüdnungs- und Vorstandsmitglied von Artistania, einem Kollektiv von rund 15 internationalen Künstler*innen aus den Bereichen Theater, Tanz, Musik und Bildende Kunst. Der gemeinnützige Verein wurde 2012 gegründet und ist Ende 2014 vom Weichselplatz in das ehemalige Lagerhaus der Kindl-Brauerei in der Neckarstraße gezogen. Das Anliegen: künstlerische Projekte zwischen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen zu fördern. Kunst sei nichts Elitäres, sondern ein wunderbares Mittel, um Menschen über Grenzen, Kulturen, Sprachen und traditionelle Denkweisen hinweg zu verbinden, heißt es auf der Website. In diesem Sinne bringt sich der Verein im Stadtteil ein und organsiert beispielsweise Theaterworkshops für Kinder oder Sprachkurse von Geflüchteten in ihrer Herkunftssprache - stets nach dem Prinzip: Each One Teach One. Will heißen: alle lernen voneinander, niemand hat Anspruch auf Besserwisserei.

Für das Projekt „Bau einer Großpuppe“ gab es vom Aktionsfonds des Quartiersmanagements Flughafenstraße einen Zuschuss für Materialkosten in Höhe von 960 Euro. Die Honorarmittel hat das Bezirksamt Neukölln übernommen.

Artistania e.V.
Neckarstraße 19
www.artistania.org