Quartiersrat zu Besuch in der Unterwelt

Foto: Jens Sethmann
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Der Quartiersrat des Flughafenkiezes brachte auf seiner Juli-Sitzung drei Projekte auf den Weg. Zuvor besichtigte das Kiezgremium die beeindruckenden Kellergewölbe der ehemaligen Kindl-Brauerei.

Der Quartiersrat war am 11. Juli auf dem Kindl-Gelände zu Gast. Vor seiner eigentlichen Sitzung stieg der Quartiersrat zusammen mit einigen interessierten Bewohner*innen des Flughafenkiezes in dunkelste Tiefen hinab. Die Stiftung VOLLGUT UG & Co KG, die das Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei verwaltet, bot eine Führung durch die riesigen Lagerkeller der früheren Brauerei an. Mit Taschenlampen ausgestattet ging es vom Eingang der Kartbahn über eine Treppe um mehrere Stockwerke hinab. Im dunklen Gängelabyrinth ging die Orientierung bald verloren und auch die Stockwerksbezeichnung ist ziemlich verwirrend: Was vom Brauereigelände aus als viertes Untergeschoss zählt, liegt auf dem Straßenniveau der viel tiefer gelegenen Neckarstraße.

Ideensuche im tiefsten Keller

Die leeren, teilweise über sechs Meter hohen Gewölbekeller erscheinen als wundervolle Partyräume oder Konzerthallen. Doch wenn man sie für größere Menschenmassen zugänglich machen will, müsste man aufwändige Umbauten vornehmen. Die Verantwortlichen von VOLLGUT suchen noch nach Nutzungsideen – und nach Leuten, die diese umsetzen. Die Tochtergesellschaft der Schweizer Stiftung Edith Maryon hat im Jahr 2015 Teile des Brauereigeländes gekauft und möchte die Flächen und Gebäude gemeinsam mit den Nutzer*innen und der Nachbarschaft entwickeln.

Ärger an der Treppe

Der Quartiersrat tagte anschließend im Schankraum der Privatbrauerei Am Rollberg, die die unterbrochene Tradition des Brauereistandorts Neukölln seit 2009 wieder hochhält. Zur Beratung standen in dieser Sitzung drei Projektvorschläge, welche über den Projektfonds des Quartiersmanagements Flughafenstraße gefördert werden sollten.

Im ersten dreht es sich um die Situation an der umgestalteten Neckar- und Isarstraße: Rund um die neue Treppen- und Aufzugsanlage häufen sich Klagen über Gewalt, Vandalismus und Vermüllung. Zeitweise wird hier auch mit Drogen gehandelt. Aufsuchende Nachbarschafts- und Elternarbeit soll Abhilfe schaffen. Nachbarschaftsaktionen auf dem Treppenvorplatz und Mitmachangebote für Kinder und Jugendliche auf der Straße könnten die Konflikte verringern. Auch gegen Falschparker*innen und Fahrzeuglenker*innen, die sich nicht an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit halten, soll vorgegangen werden.

Übergangserleichterung und Bildungswoche

Die beiden anderen Konzeptideen sind aus dem Bildungsquartier-Workshop am 30. Juni hervorgegangen. Zum einen wollen die Schulen gemeinsam den Grundschüler*innen den Übergang auf das Albert-Schweitzer-Gymnasium so einfach wie möglich machen. Gedacht sind dabei etwa gemeinsame Lernformate der Sechst- und Siebtklässler*innen, der Einsatz von älteren Schüler*innen als Mentor*innen und an eine verstärkte Elterninformation.

Zum anderen wollen alle Bildungseinrichtungen – von den Kitas und Schulen über die Volkshochschule und die Musikschule bis zur Helene-Nathan-Bibliothek und zur Werkstatt der Kulturen – ab 2018 alljährlich eine gemeinsame Woche der Bildung feiern. Damit sollen alle Bürger*innen – gleich, ob jung oder alt, eingeboren oder zugezogen – die verschiedenen Bildungsangebote kennenlernen.

Allen drei Vorschlägen hat der Quartiersrat mit großer Mehrheit zugestimmt. Das Quartiersmanagement sucht nun über Auswahlverfahren die Träger, die die Projekte umsetzen werden.