Wege zu einem vernünftigen Umgang mit dem Drogenproblem

Foto: Birgit Leiß

Seit einiger Zeit hat der Drogenkonsum mitten in Nordneuköllner Wohngebieten massiv zugenommen. Zum Beispiel rund um den Boddinplatz, wo sich immer wieder Anwohner*innen über herumliegende Spritzen und Süchtige im Hausflur beschwerten. Um das Problem zu entschärfen, gibt es seit April 2017 das Projekt Straßensozialarbeit Neukölln.  

Drogenkonsum lässt sich nicht verhindern, ist die Überzeugung von Fixpunkt e.V., dem Träger des Projekts. Doch man kann vernünftige Wege finden, die Begleiterscheinungen zu verhindern, und zwar sowohl für die Anwohner*innen als auch für die User. Regelmäßig zieht Anne-Katrin Riebe mit einer Box los, um auf den einschlägigen Szenetreffpunkten gebrauchte Spritzen einzusammeln. Sie gibt neue Nadeln und Pumpen aus und vor allem versucht sie, mit den Konsument*innen ins Gespräch zu kommen: „Wir machen den Leuten klar, dass sie sich einen anderen Platz als ausgerechnet das Treppenhaus oder einen Spielplatz suchen sollen und außerdem ihr Zeug nicht herumliegen lassen sollen.“ Doch sind die Süchtigen überhaupt einsichtig? Durchaus, meint ihr Kollege Malte Dau: „„Es sind Menschen, die sich in einer Extremsituation befinden, aber wenn sie nicht gerade auf Entzug sind oder dabei sind, sich einen Schuss zu setzen, kann man ganz ruhig und vernünftig mit ihnen reden.“ Auch Anwohner*innen, so empfiehlt der Fixpunkt-Mitarbeiter, sollten die Konsument*innen „nett und bestimmt“ anzusprechen. Aggressives Verhalten komme vor, aber meist nur, wenn die Süchtigen unter Druck stehen, sich schnell einen Schuss zu setzen. In dieser Situation sollte man den Konsumenten in Ruhe lassen.

Beschwerden von Anwohner*innen wird nachgegangen

Weil sich in Neukölln viele Drogenanhängige aus osteuropäischen Ländern aufhalten, sind Anne-Katrin Riebe und Malte Dau mit russischen und polnischen Sprachmittlern unterwegs. Das Einsatzgebiet des Fixpunkt-Teams ist ganz Neukölln, wobei sich der Schwerpunkt der Arbeit auf das Gebiet zwischen Hermannplatz, Hermannstraße und den S-Bahn-Stationen Sonnenallee sowie Neukölln konzentriert. Außerdem wird auf „Störmeldungen“ von Anwohner*innen reagiert. Das Team arbeitet eng mit dem Grünflächenamt und Ordnungsamt, den Polizeiabschnitten und dem bezirklichen Suchthilfekoordinator  zusammen. Ziel dieser aufsuchenden Sozialarbeit ist es, die Konsument*innen an das Hilfesystem anzubinden.

Mehr Sicherheit für alle durch das Drogenkonsummobil

So hält von Montag bis Freitag in der Karl-Marx-Straße/ Ecke Kirchhoffstraße ein Drogenkonsum- und Beratungsmobil. Dort können suchtkranke Menschen in hygienischer Umgebung und unter medizinischer Aufsicht ihre Drogen konsumieren – und müssen nicht in dunkle Hauseingänge oder öffentliche Plätze ausweichen. Als niedrigschwelliges Angebot gibt es in der Warthestraße 5 zudem den Treffpunkt „Druckausgleich“. Hier bekommt man Essen, kann Wäsche waschen oder die Kleiderkammer nutzen. Die Mitarbeiter*innen beraten beispielsweise zu gesundheitlichen Fragen und vermitteln bei Bedarf weiterführende Hilfen.

Das Projekt wird über das Bezirksamt Neukölln finanziert. Zusätzlich wurde das Projekt kürzlich mit einer Spende in der Höhe von 550 Euro aus den Einnahmen des Herbst-Trödelmarktes auf dem Boddinplatz unterstützt.

 

Fixpunkt
Projekt Straßensozialarbeit Neukölln
Telefon 0163-346 36 76
neukoellnfixpunkt.org