Nachbarschaft (Kultur, Gemeinwesen, Integration, Gesundheit, Wohnen)

Aufgrund der großen Bandbreite des Handlungsfeldes "Nachbarschaft (Kultur, Gemeinwesen, Integration, Gesundheit, Wohnen)" werden die Teilhandlungsfelder in den nachfolgenden Darstellungen einzeln betrachtet:

Stadtteilkultur

In enger Abstimmung mit dem Kulturamt Neukölln wurde die Einrichtung der Kunstfiliale Flughafenstraße als Baustein des Neuköllner Konzepts dezentraler Kulturarbeit betrieben. Die Kunstfiliale im Rahmen des Festivals 48 Stunden Neukölln wird im Jahr 2013 letztmalig aus Mitteln des Programms Soziale Stadt finanziert. Mit der Finanzierungszusage ist die Erwartung verbunden, dass es gelingt die zahlreichenden Kulturschaffenden in ein tragfähiges Netzwerk einzubinden, das zukünftig eigenständige Aktivitäten organisiert. Ein erster Ansatzpunkt in diesem Zusammenhang ist die Veranstaltungsreihe "First Thursday".

Ein weiteres Schüsselprojekt war das Soziale Stadt Vorhaben "Kultureller Bildungsverbund Flughafenkiez", in dessen Rahmen beispielhafte Kooperationen von Bildungseinrichtungen aus dem Flughafenkiez gefördert wurden. So haben die Evangelische Schule Neukölln und das Albert-Schweitzer-Gymnaisum gemeinsam mit Projektpartner*innen aus den Niederlanden sowie zahlreichen Sponsor*innen ein großes Tanztheaterprojekt realisiert. Die Hermann-Boddin-Schule hat mit Kitas aus dem Flughafenkiez ebenfalls kulturelle Bildungsprojekte im Übergang Kita/ Grundschule verwirklicht, die aufgrund ihres großen Zuspruchs als AGs im gebundenen Ganztagsbetrieb weitergeführt werden.

Integration und Gemeinwesen

Angesichts eines Bevölkerungsanteils von 57% an Personen mit Migrationshintergrund im Gebiet Flughafenstraße ist der Handlungsbereich "soziale und interkulturelle Integration" von zentraler Bedeutung für die Quartiersmanagementarbeit.

Bei der gebietsbezogenen Integration handelt es sich um eine Querschnittsaufgabe, die auch in allen weiteren Handlungsfeldern im Sinne einer umfassenden Berücksichtigung der Belange der Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund Anwendung findet. Betrachtet man die im bundesweiten Statusbericht Soziale Stadt aufgeführten Maßnahmen, so finden diese durchgehend Anwendung in der Gebietsentwicklung für den Flughafenkiez (vgl. Difu 2008, 47):

  • Sprachförderung: findet sowohl in Form von Mütterkursen in den Räumen des Kinder- und Elterntreffs als auch in Form des Selbstlernzentrums in der Helene-Nathan-Bibliothek sowie im Bildungsprogramm von Kitas und Schulen statt.
  • Zusammenarbeit mit Migrant*innenorganisationen: findet sowohl in unterschiedlichen Formen vom fortlaufenden Informationsaustausch, z.B. mit Moscheevereinen, bis hin zur Beauftragung bzw. Trägerschaft von Soziale Stadt Projekten, z. B. das Türkisch-Deutsche Zentrum (TDZ) im Ganztagsbetrieb an der Albert-Schweitzer-Schule oder der Rize Kultur- und Solidaritätsverein bei Handarbeitsangeboten für Frauen aus dem Flughafenkiez statt. Zudem wurde die Migrant*innenselbstorganisation "Amaro Foro" mit der Trägerschaft eines Soziale Stadt Projektes zur gesellschaftlichen Eingliederung von Neuzuwanderern mit Roma-Hintergrund beauftragt.
  • Förderung der ethnischen Ökonomie: wird im Rahmen der Quartiersmanagementarbeit mit der Zielvorgabe "Stärkung der unternehmerischen Potenziale der Gebietsbevölkerung" verfolgt, denn im Mittelpunkt steht nicht die Frage der ethnischen Herkunft, sondern der Stabilisierung und Profilierung des Wohn- und Arbeitsortes Flughafenkiez. Der Begriff "ethnische Ökonomie" ist im Sinne einer auf Integration abzielenden Stadtteilentwicklung nicht zielführend und hat zumeist eine Vielzahl von isolierten Einzelprojekten zur Folge, die auf einzelne ethnische Gruppen ausgerichtet sind, wodurch die übergeordnete Zielsetzung, den Wirtschaftsstandort Flughafenkiez zu stärken, aus dem Blickfeld gerät.
  • Einstellung von Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund: eine der drei Quartiersmanager*innen verfügt über einen Migrationshintergrund (türkisch).
  • Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen: wird in allen Bildungseinrichtungen im Flughafenkiez praktiziert und durch die Zusammenarbeit mit Migrant*innenvereinen intensiviert.
  • Förderung des interkulturellen Austausches: findet sowohl im Rahmen von großen Nachbarschaftsfesten mit mehr als 1.000 Besucher*innen als auch im Rahmen kleiner Begegnungen statt.

 

Eine zentrale Institution im Handlungsfeld "Soziale und interkulturelle Integration" sind die Stadtteilmütter Neukölln, die insbesondere bei Frauen türkischer und arabischer Herkunft eine wichtige Multiplikatorinnenfunktion für die Themen Bildung, Wohnumfeld und Sicherheit sowie Gesundheit aufweisen

Mit der Schließung des Mehrgenerationenhauses in der Flughafenstraße 21 im Januar 2012 ist ein zentraler Ankerpunkt für integrierte Ansätze der Gemeinwesenarbeit weggefallen, der bisher nicht durch dezentrale Angebote kompensiert werden konnte. Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, ob und inwieweit ein Nachbarschaftszentrum in das Wohnungsneubauvorhaben in der Flughafenstraße 41 eingebracht werden kann. Entsprechende konzeptionelle und architektonische Lösungsansätze wurden im Rahmen eines vom Bundes-familienministerium und der Bundesarchitektenkammer ausgelobten Wettbewerbs zum Thema "Altersgerecht Bauen und Wohnen - Barrierefrei, quartiersbezogen, integrativ" an der BTU Cottbus bereits erarbeitet.

Gesundheit

Die Handlungsansätze zum Themenfeld "Gesundheit" lehnen sich im Gebiet Flughafenstraße an den ganzheitlichen "Public Health"-Ansatz an.

Ein Schlüsselvorhaben im Rahmen der Quartiersentwicklung ist die Herrichtung des Frühstücksraumes in der Hermann-Boddin-Schule gewesen, dessen Weiterentwicklung durch die Stiftung BrotZeit finanziell unterstützt wird. Kernanliegen ist es, allen Schüler*innen  der Hermann-Boddin-Schule durch ein gesundes Schulfrühstück gute Startchancen für den Schulalltag zu bieten.

Zentrale Kooperationspartner zur präventiven Gesundheitsvorsorge sind die im und um den Flughafenkiez angesiedelten Sportvereine. Zur Stärkung der Kooperationsbeziehungen von Schulen und Sportvereinen wurde im Jahr 2012 das Soziale Stadt-Projekt "Kiezolympiade" gestartet, durch dessen Arbeit erste Kooperationen von Schulen und Sportvereinen angeschoben wurden und im Sommer 2012 ein Sportfest der drei gebietsansässigen Schulen (Hermann-Boddin-Schule, Evangelische Schule Neukölln, Albert-Schweitzer-Gymnaisum) mit mehr als 150 Teilnehmer*innen stattgefunden hat.

Weitere Anknüpfungspunkte zur Verstetigung der präventiven Ansätze der Gesundheitsförderung im Flughafenkiez bietet  das bezirksweite Netzwerk "Gesundes Neukölln" sowie der Aufbau der Präventionskette nach dem "Dormagener Modell", der auf Ebene des Neuköllner Jugendamtes verfolgt wird.

Wohnen

In den vergangenen drei Jahren hat sich aus Sicht breiter Schichten der Gebietsbevölkerung die Verknappung des Wohnungsangebotes und die steigenden Mietpreise zu einem Kernproblem der Quartiersentwicklung entwickelt, für deren Bewältigung Antworten vom Quartiersmanagement erwartet werden.

Obgleich die Einflussmöglichkeiten des Quartiersmanagements auf den Immobilienmarkt und seine Akteure verschwindend gering sind, müssen die Sorgen und Nöte der Bevölkerung über nicht mehr bezahlbare Wohnungsmieten ernst genommen werden. Mit über 200 Gesprächen hat sich die bis 2016 angebotene ehrenamtliche Mieterberatung durch einen gebietsansässigen Anwalt als machbare und wirkungsvolle Herangehensweise bewährt. Seit 2017 findet einmal wöchentlich eineÖffnet internen Link im aktuellen Fenster offene, bezirkliche Mieterechtsberatung im Quartiersbüro statt.